Library verwahrt wird und digitalisiert
vollständig zugänglich ist. Der Psalm
117:16 fand sich auf der Versoseite der
Folio 177, geschrieben in zeitgenössi-
scher gotischer Textura.
Der Wortlaut mit Ergänzungen der
Abkürzungen in Klammer und Auflö-
sung der als ú geschriebenen v: Dexte-
ra domini fecit v(ir)tutem : dextera d(o)
m(ini) exaltavit me dextera domini fe-
cit v(ir)tute(m). Es konnte nun klar eine
Verschränkung
dieser
Inschrift auf einer ritter-
lichen Waffe, mit einem
zeitgenössisch bekann-
ten Psalm hergestellt
werden. Dies beweist,
dass diese Inschrift in
einem religiösen Bezug steht und letzt-
lich das tiefreligiöse Verständnis der
Ritterschaft widerspiegelt. Auch muss-
te der Besitzer dieses Dolches den be-
treffenden Psalm kennen und seinen
Sinn erfassen, zumindest also das La-
teinische lesen und verstehen können.
Denn der gewählte Passus dürfte nicht
rein zufällig ausgewählt worden sein,
erlaubt er doch eine metaphorische
Verschränkung mit dem Besitzer.
Die waffenführende Hand war in der
Regel die Rechte. Der Auftraggeber und
Besitzer des Dolches verschränkte also
sein Handeln, konkret den tatsäch-
lichen Einsatz des Dolches, mit dem
Sinn dieser Inschrift. Hierzu musste er
zwangsweise den Sinn dieses Psalms
interpretieren und auf sich und den po-
tenziellen Einsatz des Dolches übertra-
gen können. Auch ist die Knaufscheibe
- nebst Inschrift - den Medaillons der
Pontifikalhandschuhe sehr ähnlich,
wobei die Knaufscheibe selbst ein sehr
schönes Beispiel für die gotische Kunst
bietet. Die Inschrift umrandet deutlich
ein kunstvoll gestaltetes Ornament.
Hier handelt es sich um eine sogenann-
te Fischblase oder auch
Schneuß, eine Ornamen-
tik des gotischen Maß-
werks – demnach also
ein geometrisch kon
struiertes Bauornament,
welches sich vor allem in
den Bogenfeldern von Fenstern oder in
Rundfenstern findet. Die zusammen-
gebogenen Schenkel des Ornamentes
der Knaufscheibe bilden die fischbla-
senartige Form, die dem Ornament sei-
nen Namen gibt.
Obwohl hier nicht der Fokus auf einer
Verschränkung mit zeitgenössischen
Ornamenten oder allgemein der goti-
schen Kunst liegt, sind diese Parallelen
dennoch erwähnenswert, sind sie doch
ein beredtes Zeugnis für den Zeitgeist
der Entstehungszeit dieser Blankwaffe.
Degen um 1550 bis 1590, beschwören
de Formeln.
Hier handelt es sich um
einen Degen, der in der zweiten Hälfte
des 16. Jahrhunderts entstanden ist. Die
zeitliche Klassifikation ist anhand der
Machart und der konstruktiven Aus-
gestaltung des Gefäßes eindeutig. Die
Parierstange ist deutlich geschwungen,
die beiden Klingenbügel bilden in der
Draufsicht jeweils einen Halbkreis und
berühren jeweils fast die flachen Seiten
der Klinge. Dieses Parierelement wird
aufgrund der Form in der Draufsicht als
Eselshuf oder pas d'ane bezeichnet.
Der terzseitige Klingenbügel ist zu-
dem mit einem Stichblatt ausgefüllt,
das ornamental durchbrochen ist. Die-
se Formgebung trug der damals schon
weiterentwickelten Fechtkunst Rech-
nung, denn diese Parierstange sollte die
führende Hand besser schützen.
Zusätzlich kann die Meistermarke
auf diesem Stück zugeordnet werden,
was bereits durch die museale Sei-
te passierte. Die Klinge wird dem aus
Mailand stammenden Schmied Anto-
nio Piccinino (* 1509, † 1589) zugeord-
net. Der Degen selbst dürfte im deut-
schen Raum fertiggestellt, die Klinge
demnach via Handel an einschlägige
Schwertfeger geliefert worden sein. Die
Inschriften, auf beiden Seiten der Klin-
ge jeweils in der Hohlkehle vorhanden,
sind in Kapitalis ausgeführt.
Die Buchstaben der Wörter sind le-
diglich graviert und nicht tauschiert,
es kommen zudem nur vollständige
Wörter ohne irgendwelche Kürzungen
vor. Zwischen jedem Wort ist ein Tren-
Degen um 1550 bis
1590 mit
beschwörenden
Formeln
Links:
Die Meistermarke des Antonio Picci
nino auf der Degenklinge, daneben ein Ge
fäßdetail des reich verzierten Degens.
Unten:
Besonders die formschöne diskus
förmige Knaufscheibe des Nierendolches
verdient eine besondere Betrachtung. Dort
findet sich die Inschrift und die Ornamentik
nach gotischem Maßwerk.
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Blankwaffen
Inschriften und ihre Aussagen
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