lung eine exakte Festlegung des Ferti-
gungsjahres bei dieser Pistole faktisch
nicht möglich. Zumindest belegt diese
Stempelung aber, dass die so gekenn-
zeichnete Pistole tatsächlich in hollän-
dischem Staatsbesitz war. Da das bel-
gische Staatsgebiet zwischen 1815 und
1830 ebenfalls zu Holland
gehörte und in dieser
Periode von König Wil-
lem I. (1815-1840) regiert
wurde, ist denkbar, dass
die Pistole mit dem „W“-
Stempel tatsächlich in den Jahren zwi-
schen 1815 und 1830 in Lüttich gefertigt
worden sein kann.
Das Gesetz von 1853.
Abweichend
von der möglicherweise zwischen 1815
und 1830 hergestellten Pistole ist das
hier vorgestellte Stück mit Sicherheit
deutlich später entstanden. Ihr Lauf
ist deutlich mit dem Annahmestempel
„EL“ gezeichnet, welcher, wie bereits
angeführt, erst im Jahr 1853 per Gesetz
verbindlich vorgeschrieben wurde. Mit
ihm wurden alle Läufe gekennzeich-
net, die einer endgültigen Beschau un-
terworfen waren. Alle beschossenen
Läufe, die den Beschuss überstanden
hatten, wurden dann mit
der seit 1810 verwende-
ten Marke „ELG“ im Oval
gestempelt. Eine im seit
1830 belgischen Lüttich
ordnungsgemäß geprüf-
te und beschossene Steinschlosswaf-
fe musste schließlich nach dem neuen
Gesetz die Kaliberangabe, den „Perron“,
und den endgültigen Stempel „ELG“ im
Oval tragen. Alle drei Stempel sind auf
den Lauf der gezeigten Pistole geschla-
gen worden. Zusätzlich dazu findet sich
an der Laufoberseite der „ELG“-Stem-
pel im Oval unter einer Krone. Diesen
Holländischer
Abnahmestempel
„W“ unter Krone
5
Stempel mit Krone hat man nach einem
Beschuss mit verstärkter Ladung auf
Läufen von Militärwaffen eingeschla-
gen, wenn deren Abnahme aufgrund
der Bestimmungen einer besonderen
Abnahmekommission erfolgte. Die für
den Beschuss verstärkte Ladung hatte
bei Pistolen einen Überdruck von min-
destens 50% zu erreichen.
Besondere Abnahmekommission.
Wie
der „ELG“-Stempel auf dem Lauf der
vorgestellten Pistole belegt, hatte eine
Abnahmekommission den Beschuss
mit verstärkter Ladung verlangt. Da
dies in einer Zeit geschah, als in Mit-
tel- und Westeuropa mit Sicherheit
niemand mehr daran dachte, Stein-
schlosswaffen für das Militär zu be-
schießen oder zu bestellen, kann man
davon ausgehen, dass es sich bei der
Abnahmekommission um ein Gremium
aus einem Entwicklungsland handelte,
3
Die Gesamtform der Pistole erinnert
wegen ihrer Kolbengestaltung stark an
englische Waffenmuster. Speziell der
fest in der Kolbenkappe verankerte Kol-
benring ist englisch inspiriert.
3
4
5
6
7
6
Auf dem Schlossblech ist die – nur noch
schwach erkennbare – Marke des Arse-
nals von Isfahan eingeschlagen.
7
Der Herstellerstempel „CD“ unter Krone
ist am Lauf und am Schlossblech einge-
schlagen. Er dürfte für die in Lüttich in
den Jahren von 1855 bis 1858 ansässige
Firma Coquilhat & Digneffe stehen.
4
Herstellerstempel „CD“ und Zeichen des
verstärkten Lütticher Beschusses mit
Schwarzpulver am Lauf.
5
Anstelle eines verbindenden Schloss-
gegenblechs besitzen die beiden
Schlossschrauben jeweils eine runde
Messingunterlage und am Vorderschaft
einen Schieber zur Laufbefestigung.
77
sammeln
08/2016
+++
++++++
+++DWJ+++
KOSTENLOSES
PREVIEW
+++ DWJ+++
++++++
+++