in dessen Armee der Schritt zur Per-
kussionszündung mit Sicherheit noch
nicht vollzogen war.
Nun trägt die hier gezeigte Pistole
auf dem Schlossblech den undeutlichen
Stempel des Arsenals von Isfahan im
alten Persien und auf dem Lauf sowie
dem Schlossblech einen Hersteller-
stempel „CD“. Diese Marke kann man
mangels anderer Deutungsmöglich-
keiten den Lütticher Büchsenmachern
Coquilhat & Digneffe zuschreiben, wel-
che in der in Frage kommenden Zeit –
zwischen 1855 und 1858 – in Lüttich als
Waffenfabrikanten nachweisbar sind.
Schlagmarken an Schlossplatten
können nur im ungehärteten Zustand
der Schlossplatte einge-
schlagen werden, muss-
ten somit also während
des
laufenden
Ferti-
gungsprozesses
ange-
bracht werden, bevor
das Schlossblech gehärtet wurde. Das
aber bedeutet, dass ein Mitglied der
angereisten Abnahmekommission aus
Isfahan die Marke vor Ort in Lüttich
eingeschlagen haben muss. Hätte man
die Marke im Arsenal Isfahan ange-
bracht, wäre es erforderlich gewesen,
das Schloss komplett zu zerlegen und
das Schlossblech zu enthärten. Dieses
Verfahren aber war mit Sicherheit als
zu aufwendig erkannt worden.
Entwicklungshilfe
fehlgeschlagen.
Die persische Armee des 19. Jahrhun-
derts war weder von der Bewaffnung
noch von der Ausbildung her mit eu-
ropäischen Armeen zu vergleichen. Es
gab keinerlei militärische Ausbildung
nach exakt anzuwendenden Exerzier-
reglements. Hinzu kam die völlig un-
zureichende Versorgung mit Waffen,
Kleidung oder Nahrung. Auch der Sold
wurde nur unregelmäßig ausbezahlt,
und es fehlte an Transportmöglichkei-
ten für schnelle Truppenbewegungen.
Schließlich existierten weder eine kla-
re Hierarchie mit entsprechenden Auf-
stiegsmöglichkeiten noch eine geregel-
te Kommandostruktur.
Die völlige Überschät-
zung der eigenen Mög-
lichkeiten und das Führen
vermeidbarer Kriege ge-
gen Russland ohne hin-
reichende Vorbereitung
führten nicht nur zu Gebietsverlusten,
sondern zu weiteren Kriegen, die den
teilweisen Verlust der staatlichen Sou-
veränität und die wirtschaftliche sowie
politische Abhängigkeit von Russland
und Großbritannien mit sich brachten.
Waren früher Georgien, Armenien
und Aserbaidschan Teile des Persischen
Reiches, haben die Machthaber diese
im Krieg gegen Russland zu Beginn des
19. Jahrhunderts nach verlustreichen
Schlachten abtreten müssen. Das ehe-
malige Großreich Persien mit seiner
tausende Jahre währenden Geschichte
verlor durch zahlreiche Kriege, die bis
in das 20. Jahrhundert reichten, immer
mehr Staatsgebiet.
Zurück zur Geschichte der vorlie-
genden Pistole: Nach den verlorenen
Kriegen und dem Bedeutungsverlust
Persiens war es für Persien unabding-
bar, seine Armee nach westlichen Stan-
dards zumodernisieren, wozu auch eine
moderne Feuerwaffenrüstung gehörte.
Unter britischer Aufsicht hatte man
in den Arsenalen von Täbris und Isfa-
han schon ab 1810 mehr oder weniger
erfolgreich begonnen, Feuerwaffen
nach englischem Muster zu produzie-
ren, allerdings wurde die Zusammen-
arbeit mit England wegen mangelnder
Effektivität im Jahr 1839 wieder einge-
stellt. Danach fiel die Waffenproduk-
tion im eigenen Land wegen fehlender
Organisation offensichtlich so weit
zurück, dass man sich letztlich notge-
drungen dazu entschied, die dringend
benötigten Waffen in Belgien anferti-
gen zu lassen.
Die Spur führt nach
Persien in der Mitte
des 19. Jahrhunderts
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Das Schloss ist sowohl formal als auch
in den Maßen mit demjenigen der engli-
schen Light Dragoon Pistol aus der napo-
leonischen Ära identisch – ein typischer
Fall von Produktpiraterie.
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Technische Daten und Merkmale
Gesamtlänge
387 mm
Lauflänge
231 mm
Kaliber
17,4 mm
Schlosslänge
142 mm
Gewicht
1275 g
Beschreibung
Nussbaumvollschaft ohne Ladestocknut,
mit Messingbeschlägen, diese bestehend
aus halber Vorderschaftkappe, beidseiti-
ger Unterlage für den Laufschieber,
einteiligem Abzugsbügel, flacher
Kolbenkappe mit fest stehender Riemen-
öse aus Eisen und zwei Unterlagen für die
beiden Schlossschrauben. Auf der ganzen
Länge runder Lauf mit rund endendem
Schwanzschraubenblatt. Keine Visierein-
richtung. Englischen Steinschlössern
ähnliches Schloss mit gewölbtem
Schlossblech, entsprechendem Schwa-
nenhalshahn und runder Eisenpfanne mit
Feuerschirm an der dem Hahn zugewand-
ten Seite und Verbindungssteg zum
Batterielager. Der Umkehrpunkt der
Batteriefeder lässt die vordere Schloss-
schraube sichtbar werden.
Stempel und Marken
„ELG über Stern“ im Oval = endgültiger
Beschuss von Vorderladern mit normaler
Ladung am Lauf oben
„ELG über Stern“ im Oval unter Krone =
Beschuss mit verstärkter Ladung am Lauf
links
„EL“ = vorläufiger Abnahmestempel ab
1853 an der Laufunterseite
„17,2“ = Kaliberangabe an der Laufunter-
seite
„CD“ im Kreis = Herstellerstempel auf
dem Lauf und dem Schlossblech zwi-
schen Pfanne und Hahn, vermutlich
Coquilhat & Digneffe, 1855 bis 1858 in
Lüttich
Querovale Marke des persischen Arsenals
von Isfahan auf dem Schlossblech.
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Ordonnanzwaffen
Marine(?)-Pistole aus Lüttich
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