DWJ 2016-08 - page 79

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Literatur:
Bannermann, Francis: Catalogue of Mi-
litary Goods 1903
Bannermann, Francis: Military Goods
Catalogue 1925
Heer, Eugène: Der Neue Støckel, 3 Bän-
de. Schwäbisch Hall 1980
Wirnsberger, Gerhard: Beschusszei-
chen, Schwäbisch Hall 2003
Sailor in Saddle,
Genaue Verwendung unbekannt.
Für
welchen Zweck die persische Regie-
rung den hier gezeigten Pistolentyp in
welcher Stückzahl in Lüttich geordert
hat, ist leider nicht bekannt. Allerdings
ist dem Autor zumindest ein ebenfalls
in Lüttich gefertigter Kavalleriekara-
biner mit Gelenkladestock, Sattelstan-
ge, identischem Steinschloss und ins-
besondere mit gleicher
Schlagmarke auf dem
Schlossblech
bekannt.
Daher kann man anneh-
men, dass diese beiden
Waffentypen speziell für
die Berittenen der persischen Streit-
kräfte bestimmt waren. Ob diese je-
doch tatsächlich für die persische Rei-
terei ausgegeben worden sind, ist zwar
durchaus denkbar, aber ebenfalls nicht
zu belegen.
Nachweisbar jedoch ist, dass der
größte Teil dieser Bestellung - wenn
überhaupt - allenfalls nur recht we-
nig eingesetzt worden ist: Bereits 1903
tauchten größere Mengen der hier vor-
gestellten Pistole in bestem, nahezu
fabrikneuem Zustand in einem Ange-
botskatalog der US-amerikanischen
Versandfirma Francis Bannermann auf.
Dort konnte man die Pistole auf dem Ti-
telblatt bewundern und als „European
large bore Pistol“ für Kugel oder Schrot
anfänglichum3,75US-Dollar kaufen. 22
Jahre später, also 1925, war dieser Pisto-
lentyp bei Bannermann immer noch im
Angebot, woraus man die ursprünglich
zur Vermarktung anste-
hende große Menge der
zur Verfügung stehenden
Stücke ersehen mag. Al-
lerdings war der Preis in
der Zwischenzeit auf 6,95
US-Dollar gestiegen. Bemerkenswert
an dem großformatigen Katalogange-
bot ist die Beschreibung der Pistole, die
Bannermann als Werbung nutzte. Dort
heißt es unter anderem, dass „dies eine
Gelegenheit ist, zu billigem Preis eine
echte historische Pistole zu erwerben,
die garantiert über 100 Jahre alt ist“.
Es sei dahingestellt, ob die von Ban-
nermann angebotenen Pistolen aus
Belgien oder aus Persien stammten, die
Katalogbeschreibung geht darauf nicht
näher ein. Ihr hervorragender Gesamt-
Persischer Waffenbau
ohne britische
Hilfe uneffektiv
zustand aber lässt durchaus den Schluss
zu, dass, wenn die Pistolen tatsäch-
lich ganz oder nur zum Teil aus Belgien
stammten, diese damals zwar tatsäch-
lich älter als 100 Jahre waren, dort aber
ebenfalls wenig oder überhaupt nicht
benutzt worden sind.
Die schwierige Aufklärung der Ge-
schichte des vorliegenden Exemplars
zeigt den ganzen Reiz des Sammelns
historischer Waffen – unvermittelt be-
findet man sich mitten in der spannen-
den Geschichte eines großen Reiches
der Weltgeschichte.
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