DWJ 2016-08 - page 84

tenen Linien wurden in der Regel et-
was untergraben, sodass am Grund des
Schnitts eine bauchige Form entstand,
welche sich oben wieder verjüngte.
In die vorbereiteten Stiche wurde
weicheres Metall, in der Regel Silber,
Kupfer oder Messing, eingearbeitet.
Die Überstände des weicheren Metalls
konnten nun verschliffen werden, so-
dass eine homogene Klingenfläche
entstand. Dieses Verfahren wird auch
als Tauschierung bezeichnet. Durch die
Metalleinlage, welche im Idealfall einen
farblichen Kontrast zur Klinge gene-
rierte, trat die Gravur optisch deutlich
hervor und war auch auf den polierten
Klingenblättern gut zu erkennen. Dies
lässt sich noch heute an exzellent er-
haltenen Realien feststellen.
Für die heutige Forschung ist die-
se Art der Gravur/Tauschierung eben-
falls äußerst vorteilhaft. Denn auch bei
stark korrodierten Metalloberflächen
sind in der Regel die Einlegearbeiten
noch vorhanden und erkennbar. Doch
auch bei herausgefallenen Einlagen
sind die Gravurstiche in der Regel so
tief ausgeführt, dass die ursprüngliche
Inschrift noch entziffert werden kann,
was je nach Zustand freilich oftmals
nur noch rudimentär möglich ist.
Blankwaffenherstellung im Mittel­
alter.
In der Regel waren mehrere Ge-
werke an der Fertigung beteiligt. Der
Schmied fertigte aus Eisenstangen zu-
erst eine Klinge und versah diese mit
Hohlkehlen oder gab ihr eine ande-
re Kontur, je nach Wunsch und Mög-
lichkeit. Im Anschluss wurde die ge-
schmiedete Klinge gehärtet und danach
geschliffen, worauf in der Regel ein
nochmaliges Härten folgte, da durch
die Hitze beim Schleifen die vorhande-
ne Härte verloren ging.
Nach dieser Prozedur war die Klinge
weitgehend fertig und konnte nundurch
den Schwertfeger endgültig montiert,
final poliert und mit einer Scheide ver-
sehen werden. Je nach Spezialisierung
wurden diese Arbeitsschritte von mehr
oder weniger Händen ausgeführt. Diese
Art der Fertigung erlaubte einen regen
Handel mit einzelnen Teilen, wie Klin-
gen, über die zeitgenössischen Zen-
tren des Handels. So kamen Solinger
oder Passauer Klingen in weit entfern-
te Regionen und wurden dort, je nach
Wunsch, montiert und mit kunstvol-
len Gravuren versehen. Das zeigt, dass
nicht diejenigen Personen die Inschrif-
ten und Symbole auf die Klingen brach-
ten, welche diese erzeugten oder später
zu einem fertigen Schwert montierten.
Sollte eine Gravur geschnitten wer-
den, benötigte man zusätzliche Spezi-
alisten. Die hierfür zuständigen Hand-
werksgruppen waren die Gold- und
Silberschmiede, welche auch die bereits
angesprochenen liturgischen Prunkob-
jekte fertigten und verzierten. Fassbar
sind alle drei Gewerke, der Schmied,
der Schwertfeger und der Goldschmied,
schon weit vor dem betrachteten Zeit-
raum, was sich anhand der überkom-
menen
Sachüberreste
nachweisen
lässt. Die Differenzierung in diese drei
genannten Handwerksgruppen lässt
sich auch anhand zeitgenössischer
Quellen nachweisen.
Die Realien.
Für diesen Bericht konn-
ten zwei Realien untersucht werden,
welche sich heute immusealen Bestand
des Reichsstadtmuseums Rothenburg
84
Blankwaffen
Inschriften und ihre Aussagen
Das Magazin für Waffenbesitzer
sammeln
+++
++++++
+++DWJ+++
KOSTENLOSES
PREVIEW
+++ DWJ+++
++++++
+++
1...,74,75,76,77,78,79,80,81,82,83 85,86,87,88,89,90,91,92,93,94,...148
Powered by FlippingBook