Munition an. Damit der Ideenklau nicht
gar so offensichtlich wurde, luden Smith
und Wesson die Flobert-Hülse zusätzlich
mit etwas Schwarzpulver. Außerdem in-
stallierten sie – das war der listige Einfall
von Daniel B. Wesson – zwischen Ladung
und Zündsatz eine als Amboss fungieren-
de perforierte Metallscheibe. Das Ganze
wurde à la Flobert von einer Rundkugel
gekrönt. Auf diese „Erfindung“ erhielten
sie am 8. August 1854 das US-Patent №
mit
der Nummer 11496.
In der Praxis funktioniert das „selbst
erfundene“ Zündsystem nur sehr un-
zulänglich. Daher verzichteten Smith
und Wesson auf alle Um-
gehungsversuche
des
französischen
Patents
und verlängerten ledig-
lich die Hülse mit Flo-
berts Randzündung von 7
auf rund 10 mm. Sie gaben einfach die
Randzündung (Zündsatz im Hohlrand)
als ihre eigene Entwicklung aus. Am 17.
April 1860 bestätigte das US-Patentamt
ihre Rechte. Vollmundig tauften die
Gentlemen-Erfinder das Produkt „.22"
1 Pistol Cartridge“. Aus dieser Munition
ging letztlich die ganze Armada der
Randfeuerpatronen Kaliber .22" hervor,
so etwa .22 short; .22 long; .22 long rifle
und .22 Xtra long rifle.
Mit dieser S&W-Variante, kaum ge-
ändert noch heute unter dem Namen „.22
short rimfire“ hergestellt und sehr ge-
bräuchlich, begann weltweit die Epoche
der kommerziell außerordentlich erfolg-
reichen Randfeuermunition. Dass sich die
von ihnen abgekupferte Munition rasch
zur meistproduzierten und –gebrauch-
ten entwickelte, ahnten sie selbst wahr-
scheinlich im Geringsten.
Während der 1860er-Jahre führten
praktisch sämtliche Industriestaa-
ten bei ihren Streitkräf-
ten Metallpatronen mit
Randzündung ein und
entthronten erst kurz
zuvor adaptierte Muniti-
onen, so etwa Dänemark,
Schweden, Norwegen, Österreich und
die Schweiz. Frankreich und Preußen
entschieden sich merkwürdigerweise
für das Prinzip der Nadelzündung. Im
Amerikanischen Bürgerkrieg wurde
Randfeuermunition von beiden Par
teien in großem Umfang eingesetzt und
löste damit das Gros der Munitionen
aller anderen Konstruktionen ab. Sogar
das als sehr tödlich und als Gatling Gun
bekannte Revolver-Maschinengewehr
Kaliber .58" wurde auf eine spezielle
Patrone umgerüstet.
Für Sammler ist der Sektor „Rand-
feuermunition“ ein riesiges Betäti-
gungsfeld. Bereits die Flobert-Patronen
unterschiedlicher Kaliber und Ausfüh-
rungen, auch heute noch in einigen
südeuropäischen Ländern produziert,
bieten zu recht erfreulichen Preisen
ein nicht enden wollendes Vergnügen.
Beim Erwerb der großkalibrigen Sorten
müssen ambitionierte Sammler aller-
dings ihr Portemonnaie beträchtlich
strapazieren. 100 Euro für eine gut er-
haltene 18 mm Milbank-Amsler sind
keine Kleinigkeit, aber selbst unter gu-
ten Freunden fällig. Eine sehr seltene
originalgeschlossene Zehnerpackung
(1861, Thun) wechselte vor geraumer
Zeit für 2100 Euro den Besitzer. Die
Preise für schweizerische Wachpatro-
nen oder Übungsmunition dieses Kali-
bers erweisen sich für „normale“ Geld-
börsen meist als Schocker.
4
z
Spencer-Patronen von links: .56–56, .56–52,
.56–50 und .56–46. Beachte die damals bei
Metallhülsen ungebräuchliche Schulter.
u
.56–50 Spencer von links: Gefechtspatro-
ne, drei „Guard Load“ genannte Wachpa
tronen, Blank (Übungspatrone).
w
Laborierungen der Milbank-Amsler-
Munition im Kaliber 18 mm von links:
Gefechtspatrone, Wachpatrone (Posten-
schrot), Übungspatrone.
e
Laborierungen der k.u.k.-Munition im
Kaliber 14 mm Wänzel als Gefechts- und
Übungspatrone (rechts).
r
Randfeuergenerationen: Neben der
18-mm-Milbank-Amsler aus dem Jahr
1861 nimmt sich die moderne Patrone
.17" Mach-2 von Hornady doch „etwas“
zwergenhaft aus.
t
Im Amerikanischen Bürgerkrieg in gro-
ßem Umfang eingesetzt: die .58" Gatling
mit Randzündung.
w
e
r
t
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u
Smith und Wesson
kupfern ab und
werden erfolgreich
90
Frühe Patronenentwicklungen
Randfeuerpatronen
Das Magazin für Waffenbesitzer
sammeln
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