DWJ 2016-08 - page 71

Die hier vorgestellte Waffe sah oben mit ihrem frei liegenden Lauf wie eine Sportpistole aus, unten wie
eine verkleinerte Version der Colt M 1911 A1. Ursprünglich für den Einsatz bei der Polizei konzipiert, war
sie auch bei privaten Nutzern beliebt. Nachfolgend die Entwicklung und Geschichte der Star I.
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 GERHARD ORTMEIER M.A.
Durchbruch der
Firma Star in den
Jahren 1914 bis 1918
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg und
danach hatte die spanische Firma Bo-
nifacio Echeverría einen guten Ruf
bei der Herstellung von Pistolen nach
Mannlicher-Art. Vor Kriegsbeginn trug
das Unternehmen eine Zeit lang auch
den Namen Bonifacio y Julián Eche-
verría, nach einem Wechsel der betei-
ligten Familienmitglieder. Die Waffen
waren das Kaliber 6,35 mm, 7,65 mm
oder 9 mm Browning kurz eingerichtet.
Besonders erfolgreich waren die Mo-
delle 1914 und 1919. Das Modell 1914 im
Kaliber 7,65 mm Browning wurde, ne-
ben den auch von Bonifacio Echeverría
gefertigten klassischen Ruby-Pistolen,
hauptsächlich im Ersten Weltkrieg an
das französische Militär geliefert.
Aus den Modellen 1914 und 1919 ent-
stand Mitte der 1920er-Jahre eine neue
Pistole. Auch das Modell 1926 in den
Kalibern 6,35 mm und 7,65 mm Brow-
ning wurde mithilfe eines vorne ange-
brachten Hebels nach Art der Mann-
licher-Pistolen zerlegt. Die Sicherung
aber wurde von Grund auf modifiziert.
Sie besitzt nun im Schlitten keine Wal-
ze mehr. Der Sicherungshebel ragt hin-
ter dem Abzugsbügel aus der linken
Griffschale hervor und blockiert den
Abzugs­stollen.
Neue Modelle unter dem Markenna-
men Star.
Ab Anfang der 1930er-Jahre
stellte die Firma Bonifacio Echeverría,
zu diesem Zeitpunkt schon unter dem
Markennamen „Star“ bekannt, zwei
neue Pistolen her. Diese Waffen bau-
ten auf das Modell 1926 auf. Die beiden
neuen Pistolen besaßen nicht nur einen
simplen und verlässlichen Feder-Mas-
se-Verschluss, sondern wiesen auch
technisch und optisch starke Ähnlich-
keiten auf. Teilweise konnte man Teile
der beiden Waffentypen austauschen.
Sie waren für die Kaliber 7,65 mm
Browning und 9 mm Browning kurz
eingerichtet. Die Pistolen zeigten, wie
das Modell 1926, einen frei liegenden
Lauf und einen Schlitten mit Brücke
unter dem Lauf.
Mit den neuen Pistolen hatte man bei
Star an verschiedene Abnehmerkreise
gedacht. Die eine – das Modell H – war
als reine, recht kleine Ta-
schenpistole konzipiert.
Sie hatte in 7,65 mm
Browning sieben Schuss
im Magazin, im Kaliber
9 mm kurz sechs Patro-
nen. Alternativ konnte ein feuerstarkes
Ersatzmagazin mit 15 Schuss einge-
führt werden. Später erhielt die Vari-
ante in 9 mm kurz die Bezeichnung HN.
Das zweite Star-Modell trug den
Namen I und sollte eine offen getra-
gene Polizeiwaffe werden. Als „Mo-
delo Policί
ia“ bot das Unternehmen
die Pistole speziell für die spanische
Polizei an. Bis in die 1970er-Jahre hi-
nein galten die Kaliber 7,65 mm Brow-
ning und 9 mm kurz in Europa als für
die Schutzpolizei besonders geeignet.
Polizeibeamte führten die mittelgro-
ßen Pistolen vor allem in den Städten.
Dagegen erhielten die paramilitärisch
organisierten, kasernierten Polizeifor-
mationen in fast allen Ländern neben
ihren Langwaffen Faustfeuerwaffen
in einem stärkeren Kaliber. So wurde
die berühmte spanische Guardia Civil
ab 1920 mit den Star-Modellen M 1920,
M 1921, M 1922, M 1931 und teilwei-
se auch mit einigen Exemplaren der
Astra M 1921 (M 400) mit der Patrone
9 mm largo (Bergmann) ausgerüstet.
Bis auf die Astra M 400 wiesen alle ge-
nannten Waffen einen formschlüssig
verriegelten Verschluss nach Browning
auf, wobei diese Pistolen um einiges
teurer herzustellen waren.
Die Star I war als offen im Dienst-
holster getragene Polizeiwaffe um ei-
niges größer und schwerer als das Mo-
dell H. Auch hatte sie eine
größere Magazinkapazi-
tät. Das Magazin fasst im
Kaliber 9 mm kurz acht
Patronen, in 7,65 mm
Browning neun. Für ein
größeres Feuergefecht konnte bei dem
Star-Modell I, wie beim Muster H oder
HN, ein von der Firma Star produziertes
Magazin mit 15 Patronen in die Waffe
eingeführt werden.
Neuigkeiten.
Die neuen Modelle H und I
wurden nicht mehr streichbrüniert,
sondern ab etwa 1926 tauchbrüniert,
und die Pistolen erhielten werkseitig
eine Modellbezeichnung angebracht.
Alle bisherigen Modellbezeichnun-
gen hat man den Star-Pistolen erst im
Nachhinein zuerkannt. Weiter trennte
sich die Firma von dem Zerlegesystem
nach Mannlicher-Art.
Die Modelle I erhielten einen fort-
laufenden Seriennummernbereich, der
im Jahre 1905 begann und bei der Mehr-
zahl der Star-Pistolen in den Kalibern
6,35 mm, 7,65 mm und 9 mm Browning
kurz weiter verwendet wurde. Die Firma
Spanische
Polizeipistole
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08/2016
Dienstwaffen
Star I, Kaliber 7,65 mm Browning
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