DWJ 2016-08 - page 59

Hatten wir uns in DWJ 6/2016 mit dem Thema Selbstschutz beschäftigt und eine Reihe an kleinen Helfer-
lein aufgezeigt, mit denen man sich selbst legal und effektiv zugleich verteidigen kann, geht es in die-
sem Beitrag unter dem Eindruck der aktuellen Einbruchstatistik um den Schutz der eigenen vier Wände.
Mehr Schutz
für Zuhause
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 TIMO LECHNER M.A.
Die Zahl ist beunruhigend: In der Po-
lizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für
das Jahr 2015 wurde beim Posten Woh-
nungseinbruchdiebstahl mit 167136
Fällen von den Statistikern des Bun-
deskriminalamtes (BKA) ein Rekord-
wert registriert. Das bedeutet eine
stolze Zunahme um 9,9% im Vergleich
zum Vorjahr, als es übrigens mit 152123
registrierten Fällen schon einmal „Re-
kord“ hieß. Immerhin ist man noch
weit entfernt vom bisherigen „Spitzen-
jahr“ der Einbrüche: 1993 wurden rund
227000 verzeichnet, im Laufe der Jahre
schien sich das Problem allmählich in
den Griff bekommen zu lassen.
Seit 2005 ist die Zahl der Einbrüche
aber um stolze 52 % gestiegen, wie die
Gewerkschaft der Polizei (GdP) vermel-
det. Alle drei Minuten versuche irgend-
wo in Deutschland jemand, in fremdes
Eigentum einzubrechen. Die Polizeili-
che Kriminalprävention der Länder und
des Bundes spricht sogar von einem
Zwei-Minuten-Takt.
Regionale Unterschiede.
Interessant
ist der Blick auf die geografische Ver-
teilung der Kriminalität in Deutsch-
land, den Franz Solms-Laubach in sei-
nem Kriminalitätsatlas gewagt hat.
Der Autor verzeichnet ein deutliches
Nord-Süd-Gefälle: Während im Ver-
hältnis die Stadtstaaten Bremen, Ham-
burg und Berlin eine sehr hohe Rate an
Vorfällen haben, sinkt diese, je näher
man dem „Weißwurstäquator“ Bay-
ern kommt. Die Flächenländer Nord-
rhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt
besitzen eine ähnlich hohe Kriminali-
tätsrate wie die Großstädte Berlin und
Hamburg. Signifikante Anstiege an
Wohnungseinbrüchen lassen sich vor
allem in Hamburg (+20%) und Nord-
rhein-Westfalen (+18%) erkennen.
Es gibt aber auch positive Entwick-
lungen: Im Süden Deutschlands geht
die Zahl an Einbrüchen zurück. So
nahmen in Baden-Württemberg Woh-
nungseinbrüche um 10%
ab, in Bayern um 9%.
Frei nach dem Mot-
to „Traue keiner Statis-
tik, die du nicht selbst
gefälscht hast“, muss
man natürlich diese Aussagen in Fra-
ge stellen. So hat das DWJ aus Kreisen
des Bundesministeriums des Inneren
erfahren, dass in nördlichen Bundes-
ländern zum Beispiel der Einbruch in
ein Autohaus mit Raub von Zubehör
aus mehreren Fahrzeugen ebenso zah-
lenmäßig gemeldet wird, während die
Vorfälle im Süden als ein einzelner Fall
gemeldet werden und so in die Statistik
wandern. Hier gilt also auch: Man sollte
stets den Einzelfall betrachten.
Organisierte Banden.
Über die Ursa-
chen des Anstiegs der Einbrüche kann
man trefflich spekulieren. Fachleute
sprechen häufig von organisierten Ban-
den aus dem osteuropäischen Raum.
Also Trupps, die sich Stadt für Stadt und
Siedlung für Siedlung vornehmen, das
Land regelrecht durchkämmen.
Eine besonders perfide Methode ist
es, das Diebesgut kurz nach dem Klau-
en zu verpacken und per Post außerhalb
der Grenzen oder zumindest zu einer
zentralen Sammelstelle zu senden. So
kann dem Langfinger, wenn er denn
erwischt wird, nicht mehr so leicht
nachgewiesen werden, dass er die ge-
stohlenen Sachen bei sich hat.
Dass die Angst vor Einbrüchen nicht
nur durch die Kriminalstatistik, son-
dern auch wegen der offenen Binnen-
grenzen und nicht zuletzt durch den
Strom an Immigranten
geschürt wird, die seit
dem Herbst vergangenen
Jahres nach Deutschland
gekommen sind, ist kein
Geheimnis, auch wenn
man diese Ängste relativ nüchtern be-
trachten sollte.
Allerdings ist es keine Schwarz-
malerei und kein Bangemachen, wenn
man feststellt, dass die Behörden dem
Anstieg an Einbrüchen immer weni-
ger Herr zu werden scheinen. Wie ein
Nachrichtenmagazin recherchiert hat,
wurden gerade einmal 15% dieser ho-
hen Zahl an Einbrüchen im vergange-
nen Jahr aufgeklärt.
Zu fragen ist hier auch, wieso nicht
einmal 3%der gefassten Täter verurteilt
werden. Rainer Wendt, Chef der Deut-
schen Polizeigewerkschaft (DPolG),
spricht in der „Welt“ von „größten De-
fiziten bei den Bundesländern, in de-
ren Verantwortung die Bekämpfung
der Einbruchskriminalität liegt“. Es
gebe demnach Landesregierungen, die
unglücklicherweise nicht in der Lage
seien, die Informationen ihrer Polizei-
behörden über einheitliche Vorgangs-
bearbeitungssysteme zu vernetzen.
Behörden werden
dem Anstieg an
Einbrüchen nicht Herr
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08/2016
Einbruchschutz
Wieman es Einbrechern schwer macht
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