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von Nataly Kemmelmeier

Schwarzpulverinitiative ist zurück!

In unserer Ausgabe 11/02 haben wir erstmals über die Aktivitäten vom späteren Gründer und Inhaber der SPI (Schwarzpulverintiative) berichtet, die damals von Helmut Leiser aus der Taufe gehoben wurde. Das war vor über 20 Jahren!

In den letzten Jahren ist es ruhig geworden um diese schießsportliche Vereinigung, die in der Rechtsform einer Einzelfirma erst nach mehrjährigen intensiven Bemühungen im November 2005 vom Bayrischen Innenministerium im Sinne von § 8 Waffengesetz (=wirtschaftliches Interesse) mit bundesweiter Wirkung anerkannt wurde. Um Ihren Mitgliedern auch Zugang zum modernen Schießsport auf nitrobasierten Waffen zu ermöglichen, ist die SPI im Jahr 2014 dann ergänzend dem staatlich anerkannten Schießsportverband BDS beigetreten, sodass inzwischen knapp 20 % aller SPI-Mitglieder (Tendenz steigend!) auch den Schießsport auf Grundlage der BDS-Sportordnung aktiv ausüben. Nachdem es in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit sehr ruhig um diesen waffenrechtlichen Sonderfall einer schießsportlichen Vereinigung wurde, die nach eigenen Angaben neben dem Schießsport auch die Schießkunst aktiv betreibt, dachten wir, es ist mal wieder an der Zeit für ein Update. Daher haben wir Helmut Leiser zu einem Interview eingeladen.

Um die SPI in ihren vielseitigen Bemühungen zu unterstützen, übernehmen wir 2023 die Schirmherrschaft bei der Deutschen SPI-Schießkunstmeisterschaft und möchten unsere Leser ermuntern, sich im Rahmen einer Teilnahme an der vorgenannten Schießkunstmeisterschaft der Schwarezpulverinitiative einmal selbst einen Eindruck vom Umfang der SPI-Schießkunstordnung und deren Art und Weise, auf Basis eines eigens entwickelten 13-Schussprogrammes mit drei Streichschüssen, welche bei bereits kaskadierter Ringgleichheit am Ende sogar die entscheidende Rolle bei der Ermittlung des besten Kunst- und/oder Sportschützen spielt, zu verschaffen, denn im Programm beinhaltet sind Sport- und Kunstdisziplinen gleichermaßen. Selbst reine Spaßdisziplinen sowie Lunten-, Radschloss-, Stiftfeuer- sowie Modellkanonendisziplinen, ja sogar Gatlingdisziplinen, sind vom Programm umfasst und weltweit in der Ausübung für Mitglieder und Gastschützen haftpflichtversichert.

DWJ: Herr Leiser, es ist in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit recht ruhig um Ihre SPI geworden. Können Sie hierzu zu den Ursachen Stellung beziehen?

Leiser: Da 12 Jahre nach Gründung der SPI erkennbar wurde, dass die aus dem Projekt SPI tatsächlich realisierbaren Gewinne nicht ausreichen, begann ich bereits im Jahr 2013 eine erste Studie zu dem ab 2016 dann gemeinsam mit einem kleinen Entwicklerteam parallel zur SPI in Angriff genommenen Projekt www.navi-regional.de zu entwickeln, welches ich bis heute auf Basis eines Pilotprojektes betrieben und inzwischen zur Marktreife entwickelt habe, sodass ich in diesem Projekt ab 2024 in die flächendeckende Vermarktung einsteigen kann. Seit Sommer 2023 kann ich dem Projekt SPI wieder so viel zeitliche Ressourcen zur Verfügung stellen, wie dies in der Gründungs- und Aufbauphase bis circa 2016 der Fall war. Das dürfte schon eine Erklärung liefern, warum es im Zeitraum so ab 2016 etwas ruhiger um die SPI wurde. Das wird sich ab jetzt aber wieder klar zugunsten der SPI entwickeln.

Zum Thema, worin die Gründe für den starken Rückgang der aktiven Schwarzpulverschützen insbesondere der Vorderladerschützen liegen könnten möchte ich wie folgt ausführen: Schwarzpulverdisziplinen spielen schon immer eher eine Nebenrolle in den Sportordnungen der wenigen Schießsportverbände, die im Jahr 2023 noch speziell Vorderladerdisziplinen im Programm haben. Viele Waffenarten der Schwarzpulverära wie Lunten- und Radschlosszündung oder auch die Urformen wie die Tannenbergbüchse werden außer bei der SPI bei überhaupt keinem Verband angeboten. Ein richtiger Schwarzpulverboom, der in den 1960er-Jahren begann und bis etwa Mitte der 1990er-Jahre anhielt, hat sich in den letzten zwei, drei Jahrzehnten umgekehrt. Von einstmals 60 000 aktiven Schwarzpulverschützen Ende der 1960er-Jahre waren selbst Ende der 1990er-Jahre immerhin noch in etwa so viele Schießstände mit einer Schwarzpulverzulassung innerhalb von Deutschland verfügbar, wie es zu jener Zeit aktive Schwarzpulverschützen gab - nämlich noch jeweils rund 10 000. In anderen Worten: Theoretisch hätte von allen aktiven Schützen sich im Jahr 1992 jeder einzelne einen jeweils eigenen Schießstand ganz für sich alleine anmieten können – geradezu paradiesische Zustände.

Nach der jüngsten Verschärfung der Schießstandrichtlinien droht in Deutschland eine völlige Umkehrung der Situation, denn es ist davon auszugehen, dass von den im Jahr 2023 noch geschätzt 2000 bis 3000 verbliebenen Schießständen mit einer Schwarzpulverzulassung nur noch 800 bis 1000 übrig bleiben werden, bei denen die Schießstandbetreiber die zur Nachrüstung erforderlichen Summen stemmen können oder diese Aufrüstung bereits realisiert haben. Allein in meinem Stammverein Vereinigte Wolnzacher Schützen in Wolnzach in der Hallertau müssen jetzt zeitnah etwas über 50 000 Euro aufgewendet werden, sonst wird unser Schießstand zumindest keine Verlängerung mehr für das Schießen mit Schwarzpulver bekommen.

Feuerfeste und abprallsichere Wandverkleidungen werden nur von sehr wenigen Herstellern in der erforderlichen und den Auflagen entsprechenden Qualitäten gefertigt, sind daher nur in geringen Stückzahlen verfügbar und entsprechend teuer. Die aufwändigen Lüftungsanlagen, welche die vorgeschriebenen Abzugswerte liefern, tragen ihren Teil zur Verteuerung solcher Um- und Aufrüstungen bei und sind für sehr viele Schießstandbetreiber außerhalb ihrer finanziellen Möglichkeiten. Soll heißen: Der dramatische Rückgang von Schießständen mit einer Schwarzpulverzulassung ist zumindest mit ein Grund, warum immer weniger Schwarzpulverschützen das Hobby aktiv ausüben können, selbst wenn Sie dies wollten. Die hohen Benzinpreise in Verbindung mit der immer noch hohen Inflationsrate verschärfen die Situation nur noch. Aber auch Kinofilme wie „Der letzte Mohikaner“, die Karl May Verfilmungen in den 1960er-Jahren sowie Fernsehserien wie der ZDF-Weihnachtsvierteiler „Lederstrumpf“ sind Geschichte, haben seinerzeit aber den Boom überhaupt erst ausgelöst. Leider würde es vermutlich auch nicht viel helfen, wenn der ein oder andere Film aus diesem Genre wieder über die Kinoleinwand flimmern würde, da die Kinobesucher von heute kaum noch Interesse an solcher Art von Filmen hat und andere Freizeitbeschäftigungen wie Mountainbiking, free-climbing, Bouldern, Bowling, Reenactment mit Ritterspielen und Events mit Bezug zum Mittelalter etc. dem waffen- und sprengstoffrechtlichen recht aufwändigen und komplizierten Schwarzpulverhobby inzwischen den Rang abgelaufen haben.

DWJ: Denken Sie, dass die soeben von Ihnen aufgeführten Entwicklungen alleine die Ursache dafür sind, dass immer weniger das Schwarzpulverhobby aktiv leben können oder wollen?

Leiser: Damit sich das Schießen mit Vorderladern flächendeckend entwickeln kann, braucht es ein ausgebautes flächendeckendes Netz an Schießständen mit Schwarzpulverzulassung. So gibt es im gesamten Berchtesgadener Land in einem Gebiet bislang keinen einzigen Schießstand mit Schwarzpulverzulassung. Seit März 2022 habe ich meinen Unternehmenssitz aus privaten und beruflichen Gründen nach Schönau im Berchtesgadener Land direkt am Königsee verlegt. Der nächste Schießstand, auf dem ich meinen Remington-Perkussionsrevolver schießen kann, befindet sich in Rosenheim. Viele unserer Mitglieder müssen sogar Entfernungen von mehr als 150 km überwinden, um ihr Hobby aktiv ausüben zu können.

Auch das Händlernetz ist inzwischen so weit ausgedünnt, dass es zum nächsten Händler bis zu 300 km sein können. Vielen ist das nach den jüngsten Preissprüngen bei Benzin und der starken Erhöhung der Kosten für den Lebensunterhalt sowie bei den steigenden Mieten in Summe zu aufwändig und zu teuer geworden und haben so ihren Pulverschein mehr verlängert oder nach Corona das Hobby sogar komplett aufgegeben. Vor diesem Hintergrund habe ich mir erst vor Kurzem das Ziel gesetzt, hier im Berchtesgadener Land wenigstens einen Schießstandbetreiber zu finden, der seinen Stand zum Schießen mit losem Schwarzpulver aufrüstet und sich die hierzu erforderliche Genehmigung von der zuständigen Behörde erteilen lässt. In diesem Zusammenhang möchte ich lobend erwähnen, dass die zuständige Genehmigungsbehörde im Landratsamt Berchtesgaden mich in meinen diesbezüglichen Bemühungen im Rahmen Ihrer Möglichkeiten unterstützt, auch wenn es aktuell nur eine sehr kleine Hoffnung gibt der ich jetzt schnellstmöglich nachgehen möchte.

DWJ: Trotzdem gibt es doch noch viele Regionen in Deutschland, wo eine gute oder zumindest ausreichende Schießstanddichte für Schwarzpulver-Schützen noch gegeben ist…

Leiser: Das stimmt! Dennoch haben wir auch in diesen Regionen zurückgehende Zahlen an Schwarzpulverschützen. Das liegt meines Erachtens daran, dass mit der seinerzeitigen Umstellung vom 13-Schuss-Programm auf ein 15-Schuss-Programm beim DSB die Ausrichtung zu sehr auf ein Spitzensportprogramm erfolgt ist, was dem Spaßfaktor zuwiderläuft. Unser speziell auf Breitensport hin entwickeltes Reglement sorgt hingegen dafür, dass die Spannung bis zum letzten Schuss einer 13-Schuss-Serie erhalten bleibt, denn selbst mit drei Treffern, die nicht ganz ins Schwarze oder total daneben gehen, besteht die Chance, Deutscher Meister in der gewählten Disziplin werden zu können. Wer beim 15-Schuss-Programm, bei dem jeder Treffer voll gewertet wird, nur einen Schuss daneben setzt, hat kaum noch Chancen, unter den Bestplatzierten zu landen. Wenn dann noch als Auflage dazukommt, dass auf Meisterschaften und nahezu allen anderen Veranstaltungen mit Wettkampfcharakter das Tragen von Traditionskleidung verboten, aber das Tragen von moderner Schießsportbekleidung erlaubt oder gar vorgeschrieben wird, hat man vielleicht schon dem Nächsten den Spaß verdorben.

DWJ: Konkret: Was haben Sie in den letzten 20 Jahren unternommen, um dieser Situation des Rückganges an aktiven Schwarzpulverschützen entgegenzuwirken

Leiser: Dies alles hier im Einzelnen aufzuzählen würde den Rahmen dieses Interviews sprengen, aber schon allein unser Reglement und die Vielfalt der bei uns angebotenen und möglichen Disziplinen soll dazu führen, dass eigentlich mit jeder Variante, die im Lauf der Geschichte an schwarzpulverbasierten Waffen entwickelt und gebaut wurde, die Schießkunst und natürlich – so lange im Großkaliberbereich noch nicht verboten - auch der Schießsport ausgeübt werden kann. Statt Verboten sehen wir es gerne, wenn unsere Teilnehmer in Traditionskleidung anreisen. Aber auch am Beispiel der Zieleinrichtungen halten wir es so, dass wir es unseren Teilnehmern freistellen, mit welcher Kornvariante er antritt. Nur bei Originalwaffenmeisterschaften legen wir Wert darauf, dass die Zieleinrichtungen den damals verwendeten Varianten entsprechen. Ansonsten aber gilt: Statt allen Teilnehmern nur eine Variante an Zieleinrichtungen zu erlauben und alle anderen Varianten zu verbieten, ermuntern wir die sich benachteiligt Fühlenden, dann eben auf ein Perlkorn umzurüsten, wenn einer meint, damit besser zu treffen. Dasselbe gilt für die Anschlagart: Wir lassen auch den beidhändigen Anschlag zu, statt diesen zu verbieten und selbstverständlich dürfen bei uns auch die sogenannten Schwarzpulverersatzstoffe verwendet werden, wenn eines unserer Mitglieder der Ansicht ist, dass man damit bessere Ergebnisse erzielt.

Freier Wettbewerb statt Verbote steht bei uns im Vordergrund. Verbote sind nur gerechtfertigt, wenn die Sicherheit auf dem Schießstand gefährdet ist. So ermuntern wir die Teilnehmer, den über Jahrzehnte über alle Verbände hinweg verwendeten Ladeständer bei Vorderladerwaffen weiter mitzuführen und auf dem Stand zu verwenden, während dies beim mitgliederstärksten staatlich anerkannten Verband inzwischen verboten ist, der die Verwendung desselben – aus gutem Grund – vorher jahrzehntelang zu Pflicht gemacht hat.

Ich persönlich kenne zumindest einen Vorderladerschützen, der das Vorderladerschießen aus Unverständnis für das Verbot des Ladeständers aufgegeben hat, nachdem er auf einer Meisterschaft mit einer Situation konfrontiert wurde, wo am Nachbarstand ein Teilnehmer seine Steinschlosswaffe horizontal mit Ladestock beladen ha t- die Mündung in Richtung des Standnachbarn zeigend.

Ganz besonders hervorheben möchte ich in diesem Kontext unsere Originalwaffen(kunst)meisterschaft, die nun schon im 18. Jahr im Raum Weinheim stattfindet. Hier wird nicht nur das Wettkampfwesen gelebt, sondern das ganze Drumherum, das in der jeweiligen Epoche das Leben der Menschen bestimmt hat. Da wird das eigentliche Schießen zur schönsten Nebensache der Welt!

Darüber hinaus bieten wir für unsere Mitgliedern jedes Jahr diverse Events mit Bezug zu unserem Hobby an, etwa Werksbesichtigungen der letzten deutschen Schwarzpulvermühle Kunigunde im Harz, organisieren Meisterschaften, an denen – wie beim Fernwettkampf ganzjährig und bei unserer Deutschen Schießkunstmeisterschaft - über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten teilgenommen werden kann, so dass auch derjenige mit dabei sein kann, der sich eine mehrere hundert Kilometer weite Anfahrt zum Austragungsort nicht leisten kann oder will oder der zeitlich wenig flexibel ist.

Leider lässt das Schwarzpulver-Schmalspurprogramm anderer Verbände Waffenarten vermissen, die bei vielen chützen Zuhause liegen, aber mangels Abdeckung im Schwarzpulverprogramm und mangels Versicherung nicht geschossen werden können. Wir bieten beispielsweise Luntendisziplinen an und wie vermutet kommen sie dann auch zu unseren Meisterschaften und Veranstaltungen, die stolzen Besitzer von Luntenpistolen, und schießen mit. Man kann das Vorderladerhobby meines Erachtens nicht auf Perkussions- und Steinschlosszündung oder gar nur Westernwaffen begrenzen. Diese decken zwar einen großen Teil ab, aber die gesamte Breite, die durch Stiftfeuer-, Zündnadel, Lunten- und Radschlosszündung oder auch Inliner sowie Modellkanonen definiert ist und real auch gegeben und vorhanden ist, bleibt außen vor.

Und warum nicht mal auch Kurzwaffen auf 50 m schießen oder Benchrest mit Vorderladern – in dem Moment wo ein Verband solche Disziplinen anbietet, reisen die Schützen an und nehmen aktiv teil, egal ob es sich um den stolzen Besitzer einer japanischen Luntenschlosspistole aus dem 15. Jahrhundert handelt oder einer auf einer Daimler-Drehbank im Eigenbau gefertigten Modellkanone.

DWJ: Jetzt haben Sie umfassend ausgeführt was Sie im Rahmen und Umfeld Ihrer SPI unternommen haben, um das Schwarzpulverschießen interessant zu machen und einer breiten Schicht an Besitzern von Originalen und Repliken das wettkampfmäßige Schießen mit ihren zum Teil sehr ausgefallenen Schwarzpulverwaffen zu ermöglichen. Was waren Aktivitäten, die allen Schwarzpulverschützen, auch denen der von Ihnen kritisierten anderen Verbände, zugute kamen?

Leiser: Auch hier gilt, dass dies alles hier gar nicht im erforderlichen Umfang aufgezeigt werden kann. Ich möchte hierzu daher nur auszugsweise wie folgt ausführen: Durch die unsere Lobbyarbeit sind beispielsweise alle gängigen Schwarzpulversorten flächendeckend auch im 500-g-Gebinde verfügbar, was große Relevanz bei Schützen erlangt, die in ihrer Wohnung nicht über ein Zimmer mit einer Druckentlastung verfügen. Denen wurde die Erlaubnis behördlicherseits mit dem Hinweis versagt, dass Schwarzpulver nur im Originalgebinde abgegeben werden darf. Und weil es nur 1-kg-Gebinde im Handel gab, wurde solchen Schützen die Erlaubnis nach § 27 Sprengstoffgesetz komplett vorenthalten. Beinahe zeitgleich mit den 500-g-Gebinden aller gängigen Schwarzpulversorten konnten aufgrund unserer Bemühungen wieder Schwarzpulverpresslinge über den einschlägigen Fachhandel erworben werden, damit das Vorderladerschießen ganz ohne eine Erlaubnis nach § 27 Sprengstoffgesetz ausgeübt werden kann.

Auch ist es uns zuzuschreiben, dass die über Jahrzehnte hinweg ausnahmslos nur zur Verwendung in Vorderladern von der BAM genehmigten Schwarzpulversorten inzwischen auch in Patronen verladen werden dürfen. Diese Aktion hat uns sogar die Unterstützung der Schweizer Pulvermühle gekostet (Poudrerie d’Aubonne) gekostet, weil der damalige Inhaber die zugesagten Jahresbeiträge deutlich gekürzt hat, weil er eine für ihn wohl nicht unerhebliche Summe in die BAM-Zulassung seiner Schwarzpulversorten zur Verladung in Patronen investieren musste.

Sehr erfolgreich und nachhaltig waren auch die Bemühungen, den Besitz von wiedergeladener Munition in Kalibern, zu denen der Wiederlader über keine zu diesem Kaliber passenden Waffe in seinen Waffenbesitzkarten verfügt, ersatzweise klar über das Sprengstoffgesetz zu erlauben und zu regeln. So ist mein eigener seinerzeitiger Textvorschlag unverändert ins Sprengstoffgesetz übernommen worden. In diesem Kontext möchte ich darauf hinweisen, dass im Bundesland Bayern nach wie vor entgegen der Gesetzeslage das Wiederladen auf Kaliber beschränkt wird, zu denen der Wiederlader eine in einer WBK eingetragene Waffe hat. Ein Wiederlader hat aufgrund der Regelung im Sprengstoffgesetz das Recht, die von ihm hergestellte Munition während der Gültigkeit seiner Erlaubnis nach § 27 Sprengstoffgesetz auch zu besitzen. Die in Bayern durch Weisung des zuständigen Ministeriums vorgenommen Beschränkung ist nicht nur aus aus meiner Sicht rechtswidrig. Ich kann nur empfehlen, dass jeder betroffene Wiederlader in Bayern hierzu vors Verwaltungsgericht zieht. Wichtig ist dabei zu prüfen, ob in seiner Erlaubnis eine solche Auflage eingetragen ist, da sehr viele Landratsämter sich trotz Weisung seitens des Ministeriums geweigert haben, diesen offensichtlich rechtswidrigen Eintrag in ihrem Zuständigkeitsbereich vorzunehmen, was ich für sehr lobenswert erachte.

In jüngster Zeit hatten wir auch mit bewirkt, dass eine geplante Meldepflicht von bislang freien Vorderladern wieder verworfen wurde und jüngst eine im Referentenentwurf vorgesehene WBK-Pflicht für bislang freie Perkussionszündungsvorderlader wieder von der Agenda genommen wurde.

Besonders stolz bin ich darauf, dass insbesondere gewerbliche Mitglieder der SPI auf unser Bitten hin Ihren Einfluss bei den Herstellern geltend gemacht und so erreicht haben, dass bei einer weltweiten Nichtverfügbarkeit von Zündhütchen für Vorderlader noch einmal von einem führenden deutschen Hersteller eine komplette Jahresproduktion ab April 2023 gefertigt und in den Markt gebracht werden konnte. Ich könnte die Auflistung, wo die SPI selbst oder gewerbliche Mitglieder der SPI die Rahmenbedingungen für das Schwarzpulverschießen in Deutschland verbessern und optimieren konnten, noch um viele weiter Aktivitäten ergänzen und fortführen was aber den Rahmen dieses Interviews sprengen würde. Esist nicht einmal allen SPI-Mitgliedern bewusst, was dank ihrer Beiträge in den letzten 22 Jahren seit Gründung der SPI hat bewegt werden können.

DWJ: Herr Leiser, wir bedanken uns für Ihre Ausführungen.

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