Fun & Action

von Timo Lechner

Legenden - Klassiker als Airsoftwaffen

Was haben ein Mauser 98k, eine Uzi, eine Walther P99 und eine CZ 75 gemeinsam? Sie sind Waffen, die zunächst für den militärischen oder polizeilichen Gebrauch konzipiert wurden und so im Lauf der Jahre zu Legenden wurden. Ein Status, den sich die Hersteller von Airsoft-Waffen zu eigen machen.

Wie wird aus einer Waffe eine Legende? Zum einen, indem sie weit verbreitet und allseits bekannt ist (oder war), zum anderen aber, wenn sie nicht für jedermann so einfach verfügbar ist. Beides sind die idealen Voraussetzungen, um neben dem ursprünglichen Dasein als scharfe Waffe auch noch in einem anderen Kontext als Replika wieder aufzuleben. Und gerade Airsoft-Spieler lieben es, neben so manchem futuristisch anmutendem Schießgerät wie aus dem Science-Fiction-Roman auch Versionen „echter Klassiker“ im Kaliber 6 mm BB zu besitzen.
Legenden, das sind die in diesem Beitrag vorgestellten Waffen – ein Karabiner Mauser 98k, eine Walther-Pistole P99, die tschechische CZ 75 und die Uzi – auf alle Fälle. Und da das Klassiker-Quartett eher in den Holstern von Polizisten beziehungsweise den Händen von Soldaten zu finden ist, stellen ihre Airsoft-Varianten ein Eldorado für die Fans des Spielsports dar. Wir testeten je einen der zivilen kleinen Brüder.


CZ 75 RSS. Seit 35 Jahren stellt die tschechische Waffenfabrik Ceská zbrojovka die Selbstladepistole CZ 75 her, eigentlich eine Militär- beziehungsweise Polizeipistole, die es aber auch in zivilen Versionen gibt und die Sportschützen gerne nutzen, freilich auch Airsoft-Schützen, die eine vielfältige Auswahl an Varianten unterschiedlicher Hersteller auf dem Markt vorfinden. Die dänische Firma Action Sport Games (ASG) besitzt die Lizenz, Replikas herzustellen und lässt CZ-75-Airsoft-Pistolen in Fernost fertigen.
So verwirrt auf der neuen RSS-Ver­sion vielleicht die Markierung „Made in Czechoslovakia“. Das ist aber nur konsequent, denn die Pistole ist mit ihren originalgetreuen Gravuren und Logos wirklich nahe am Original, hat sogar eine Seriennummer und sieht damit täuschend echt aus. Lediglich das Logo des Herstellers sowie das „F im Fünfeck“ sind in weiß auflackiert. Alles Kriterien, die einem Airsoft-Fan neben der Funktionalität sehr wichtig sind. Sogar ein Beschusszeichen findet sich hinter dem Auswurffenster.
RSS steht für Realistic Shooting Simulation. Und in der Tat ist der Gag an dieser Softair, dass sie sich mit acht Hülsen aus verchromtem Kunststoff mit Gummi-Einlage, die das Kaliber 9 mm Luger imitieren sollen, laden lässt, die beim Schießen ausgeworfen werden. In die Hülsen – von denen man sich am besten gleich noch einen extra Satz dazu bestellt, denn die kleinen Dinger gehen mit Sicherheit verloren – steckt man ein 6-mm-BB-Geschoss, das dann im Ziel landet, während die Hülse im hohen Bogen wegfliegt.
Geladen wird das Magazin wie ein herkömmliches, die Hülsen werden nach unten eingeschoben. Alles weitere funktioniert wie bei einer echten Pistole. Man spannt den Schlitten, lässt ihn wieder nach vorne schnellen und schießt die acht Schuss.
Die CZ 75 RSS wird mit Airsoft-Gas direkt im Magazin, das komplett aus Metall ist, gefüllt. Der Rest der Waffe ist aus Plastik, bis auf den Abzug und den Hahn, die aus Aluminium bestehen. Das gibt der Pistole eine höherwertige Erscheinung, auch wenn man ohnehin keinen billigen Kunststoff verwendet hat. So wirkt der Preis von 129 Euro auch gerechtfertigt. Mit einer E0 von 0,7 J liegt die CZ 75 RSS knapp über der gesetzlichen Grenze, die sie für 14-Jährige zum Kauf frei gibt. An der Schusssimulation werden sich aber ohnehin die eher reiferen Airsoft-Fans erfreuen, die auf dieses Gimmick Wert legen.
Abstriche machen muss man bei der Präzision der Pistole. Das Schussbild streut recht stark, was natürlich daran liegt, dass durch die recht aufwendige und mehrere Schritte aufweisende Ladeart so einige Fehlerquellen vorhanden sind, die zu Lasten einer gleichmäßigen Präzisionsleistung gehen. Hier wurde ganz klar der Spaß mit dem Hülsenauswurf in den Vordergrund gestellt. Freilich ist aber jede Hülse wiederum etwas anders beschaffen, und wie das BB die Hülse verlässt ist eine weitere Fehlerquelle. Die Pistole wird von German Sport Guns (www.germansportguns.de) vertrieben.


Walther P99 Extra Kit. Wer weniger Geld für eine Airsoft-Pistole ausgeben möchte, dafür aber auch Abstriche bei Präzi­sion und Verarbeitung in Kauf nimmt, der erhält mit der elektrischen Variante der Walther P99 eine preiswerte Waffe.
Betrieben wird die komplett aus Kunststoff gebaute Pistole mit Strom aus vier 1,5-V-Batterien, die sich im Griff befinden. Dort wird auch das bananenförmige Magazin eingesteckt, in das 16 Schuss passen. Ganz schön wenig für eine Pistole, die mit einer E0 von unter 0,5 J auch vollautomatisch schießt und somit schnell leer ist. Das trübt etwas den Ballerspaß. Auch wenn die Zielgruppe dieser Pistole, also die 14- bis 16-Jährigen ja flexibel genug sein sollte, die Waffe öfters zu laden. Immerhin liegt dem Set, das es laut unverbindlicher Preisempfehlung des Herstellers Umarex für 49,95 Euro zu kaufen gibt, gleich ein Ersatzmagazin bei und 100 blaue BBs im Kaliber 6 mm sowie zwei „Shooting Targets“, dünne Zettel mit einer aufgemalten Scheibe von 11,5-cm-Durchmesser. Ob der Schütze diese
angesichts einer nur mäßigen Präzision braucht, sei dahingestellt. Darum geht es aber bei Airsoft-Pistolen zu diesem
Preis auch nicht.
Gerade mal 280 g bringt die 334 cm lange Pistole auf die Waage, und liegt damit wie Watte in der Hand. Da täuscht auch das wirklich gelungene Stainless-Finish nicht darüber hinweg, dass man es hier nicht mit einer Blei- sondern einer Plastikspritze zu tun hat. Den Spielzweck erfüllt dieser Nachbau der seit 1996 gebauten Polizeipistole aber zumindest so, dass es Spaß macht. Der Blowback-Schlitten tut dazu sein Übriges. Vor allem, wenn man den Schalter vor dem Abzug betätigt, und von semi- auf vollautomatisch umschaltet. Dann tut sich was beim Schießen, wenn der Schlitten immer wieder nach vorne und wieder zurück schnellt.
„Nett“ ist der mitgelieferte Schalldämpfer, der natürlich seinem Namen nicht gerecht wird, weil es nicht viel Schall zu dämpfen gibt. Aber aufgedreht auf das Gewinde an der Mündung macht das Ensemble zumindest optisch etwas her. Was die Sicherung angeht: Diese hätte man sich auch sparen können. Ein Schalter ist direkt unter dem Abzug angebracht. Hält man die Pistole nun in der Hand, läuft der Schütze in die Gefahr, die Waffe aus Versehen zu entsichern. Mehr unter www.umarex.com.


Mini Uzi. Eine der bekanntesten Maschinenpistolen ist mit Sicherheit die Uzi, benannt nach ihrem israelischen Konstrukteur Uziel Gal, der eigentlich als Gotthard Glas 1923 in Deutschland geboren wurde und Zeit seines Lebens keinen Cent für seine Idee aus dem Jahre 1949 gesehen hat, die dann von Israel Military Industries weltweit vermarktet wurde. Seit 1982 gibt es die für ihre „Schießlust“, also die Eigenschaft, auch im gesicherten Zustand zu schießen, berüchtigte Maschinenpistole auch in kleinerer Form für polizeiliche und militärische Spezialeinheiten.
Ihr nachempfunden wurde die Mini-Uzi des französischen Herstellers Cybergun, in Deutschland von German Sport Guns (GSG) vertrieben.
Die Mini-Uzi funktioniert mit Gas als Treibmittel. Dieses kommt in Form einer 12-g-CO2-Kapsel in die Waffe, die sich im Magazin befindet und durch eine Inbusschraube geöffnet und geschlossen wird. Durch Betätigen des Abzuges wird die Kugel mit dem Gasdruck beschleunigt, und es wird eine Verschlussbewegung simuliert. Dabei ist ein deutlicher Rückschlag zu spüren – der sogenannte Blowback-Effekt –, mit dem sich eine Airsoft-Waffe auszeichnet, weil sie dadurch realistischer wirkt.
Die Cybergun-Mini-Uzi wird mit Magazin, Ladestab, einem 100er-Pack mit 0,2-g-BBs geliefert. Dazu gibt es ein Werkzeug zum Abschrauben des Magazinbodens, wo die CO2-Kapsel eingefügt wird, sowie zwei weitere Utensilien, mit deren Hilfe sich das Korn einstellen lässt. Das Magazin fasst 40 BBs und ist für gewöhnliche 6-mm-Geschosse ausgelegt.
Einen positiven Eindruck macht die Airsoft-Waffe gleich, wenn man sie aus der Verpackung holt und erstmals in der Hand hält, denn sie ist fast vollständig aus Metall gefertigt. Das bedingt auch das recht hohe Gewicht von fast 3 kg, wenn Magazin und Gas-Kapsel mitgerechnet werden. Nur die Griffschalen und der Sicherungshebel sind aus Kunststoff.
Auch die Einstellungsmöglichkeiten sind für eine Airsoft-Waffe recht vielfältig. Mithilfe eines Schraubendrehers lässt sich die Kimme nach links und rechts bewegen. Hier sind zwei Lochkimmen zu finden, die per Klappmechanismus gewechselt werden können. Das Korn ist ebenfalls nach oben und unten einstellbar.
Ebenfalls einstellbar: das Hop-up am Laufanfang, das die Kugel beim Passieren dazu bringt sich rückwärts zu
drehen, wodurch sich ein Luftpolster unter ihr bildet, welches für eine stabilere Flugbahn sorgt. Hier muss man einfach an einer Rolle drehen, was die Kugel beim Passieren dazu bringt, sich rückwärts zu drehen. Dadurch bildet sich ein Luftpolster unter dem BB, welches für eine weitere und stabilere Flugbahn sorgt.
Das Schießen erfolgt ähnlich simpel, wie man das von der originalen Uzi kennt. Einfach das Magazin einführen und einrasten lassen. Ein Kippschalter, mit dessen Hilfe sich das Magazin später wieder lösen lässt, hält es sicher im Griff. Dann wird die Mini-Uzi durch Spannen des Schlittens durchgeladen. Dazu zieht man diesen an der Schraube nach hinten und lässt ihn wieder zurückschnellen. Fertig, und los geht es!
Mit einer E0 von 1,44 J ist die Mini-Uzi freilich mit mehr E0 gesegnet, als das es dem deutschen Gesetzgeber für eine Freigabe zum Vollautomaten lieb ist, was natürlich den Reiz des Schießens mit der Uzi ausmachen würde. Der Kippschalter, mit dem ge- und entsichert wird, hat zwar eine Einstellung für „automatisch“, doch die greift ins Leere. Da täuscht die Aufschrift auf dem Karton, die der Mini-Uzi eine „semi-“ und „full automatic“-Funk­tion attestieren mag.


Legends 98k. Wenn eine Langwaffe als „legendär“ durchgeht, dann mit Sicherheit das Mauser-Modell 98. Die Repetierbüchse der Oberndorfer Mauser-Werke wurde ab dem Jahr 1898 hergestellt und hat in der Version mit verkürztem Lauf, also der Karabiner-Ausführung, in den beiden Weltkriegen Geschichte geschrieben. So nutzte die Infanterie das Gewehr 98 bereits im Ersten Weltkrieg.
Ab dem Jahr 1935 wurde „der 98er“ zum Standardgewehr der Wehrmacht, und hat auch nach dem Kriegsende im Jahr 1945 in anderen Ländern und Ausführungen noch Soldaten begleitet. Ihm zugrunde liegt das berühmt gewordene System 98, von dem bis heute mehr als 100 Millionen hergestellt wurden.
Charakteristisch ist neben besagtem Verschlusssystem auch das ebenso simple wie edle Äußere aus Nussbaumholz. Eine Eigenschaft, die auch auf das Modell „Legends 98k“ der japanischen Firma Marushin zutrifft, die in Airsoft-Kreisen dafür bekannt ist, hochwertige und detailgetreue Waffen herzustellen. Beides lässt sich von dem 2650 g schweren Airsoft-Gewehr behaupten, das zudem mit echten Stahlsystemteilen gefertigt wurde, wie man es vom Original kennt. Authentizität allerorts, auch wenn, wie der Kenner hier bereits bemerkt, das Gewicht der „Legends 98k“ sogar das eines echten Gewehrs übersteigt. Die Länge von 117 cm ist schon eher authentisch. Das war es dann aber auch schon, denn auch wenn man meint, in den Nachbau jederzeit Patronen im klassischen 98k-Kaliber 8×57 JS einführen zu können, hat man es mit einer schmucken Attrappe zu tun.
Die jedoch hat es in sich. Die E0 stammt von unter Druck stehendem Gas, das nicht, wie man vermuten würde, unterhalb des Abzugs eingefüllt wird, wo man beim Original das System ausbaut, sondern in den Kammerstängel. Dort ist eine Gaseinfüllöffnung vorgesehen sowie eine weitere Öffnung, aus der überschüssiges Gas wieder entweichen kann.
Geladen wird die Waffe dann fast wie ein echter 98er-Karabiner: Kammerstängel zurückziehen, Patrone rein, fünf Schuss passen in die Kammer. Ja, wirklich – es sind Patronen – oder zumindest Patronenattrappen – mit denen das Gewehr geladen wird. In diese Hülsen, die aus Metall angefertigt sind und den echten Vorbildern 1:1 gleichen, wird das BB eingeführt. Die „Legends 98k“ verschießt jedoch keine einfachen 6-mm-Geschosse, sondern stärkere und größere BBs im Kaliber 8 mm. Diese müssen mithilfe eines Ladestabs zuerst in die Hülsen gesteckt werden, bis sie einrasten, dann kommen die Patronen in die Kammer. Das kann man auch mittels eines Fünf-Schuss-Magazins anstellen, mittels dessen die Patronen auf einer Schiene befestigt werden und so das Gewehr schnell geladen werden kann.
Alles Weitere geschieht wie gehabt: Repetieren, schießen, das BB trifft ins Ziel, repetieren, die Hülse fliegt aus dem System, weiter geht`s. Mit einer E0 von bis zu 6 J sollen die Geschosse die Mündung verlassen – ein recht hoher Wert, der den Airsoft-Karabiner schon in die Nähe des Standard-Luftgewehrs rückt.
Visiert wird über Kimme und Korn, ebenfalls originalgetreu gestaltet. Und beim Schießtest macht die „Legends 98k“ eine hervorragende Figur. Geht man bei Airsoft-Waffen eigentlich davon aus, dass man in Sachen Präzision nicht allzu viel erwarten darf, überrascht die japanische 98er-Version für Plastikkügelchen mit Treffsicherheit. Die Kimme lässt sich zum Zielen verstellen.
Außerdem ist der japanische 98er-Nachbau mit einem Hop-up ausgestattet. An der Kimme befindet sich eine Einstellschraube, mit deren Hilfe man die Reichweite des Gewehrs um bis zu 50 % erhöhen kann und ein genaueres Schießen möglich wird.
Eine Sicherung hat man sich für den Airsoft-Nachbau zusätzlich ausgedacht. Am Kammerstängel befindet sich ein kleiner Hebel, den man nach links legt, um die Waffe zu sichern, nach rechts, um sie wieder „scharf“ zu machen.
Das alles kostet bei Umarex, dem deutschen Vertrieb für die japanische „Legends 98k“, stolze 449 Euro. Das ist für eine Airsoft-Waffe freilich eine Menge Geld, und wer mit dem Gedanken spielt, sich rein zu Deko-Zwecken einen Mauser-98er-Karabiner zu besorgen, schluckt vielleicht angesichts des Preises. Jedoch muss man an dieser Stelle sagen: Der 98er-Japaner ist nicht einfach nur ein Spielzeug, sondern geht aufgrund seines Erscheinungsbilds und der gegebenen Funktionalität schon als ernstzunehmende Hommage an den Kult-Karabiner durch, hinter dem viel Detailliebe und Präzisionsarbeit in der Entwicklung stecken.

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