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Heckler & Koch MP7 und das Kaliber 4,6 mm x 30

Auf die veränderten Einsatzbedingungen bei militärischen Auseinandersetzungen ist das Kaliber 4,6 mm x 30 zugeschnitten. Für diese veränderten Anforderungen wurde vor einigen Jahren die MP7 A1 im Kaliber 4,6 mm x 30 eingeführt. Sie schließt die Lücke zwischen Sturmgewehr und herkömmlicher Maschinenpistole. Die Wirksamkeit der klassischen Maschinenpistole im Nahbereich bis 100 m begrenzt durch das begrenzte zielballistische Potenzial der Patrone 9 mm Luger insbesondere auf geschützte Ziele.

In einer modernen Armee sind nur rund 20 Prozent der Soldaten für den unmittelbaren Kampfeinsatz vorgesehen, während das Führungs- und Unterstützungspersonal die verbleibenden 80 Prozent der Truppe stellt. Bei diesen Unterstützungstruppen wird die Handwaffe fast ausschließlich zur Selbst-verteidigung eingesetzt, wobei meist ein überraschend auftauchender Feind im Nahbereich bekämpft werden muss. Gleiches gilt im offensiven Einsatzspektrum bei Spezialkräften und der Infanterie für Bediener schwerer Waffen, den Kampf in Gebäuden und Aufklärungstätigkeit. Die Kampfentfernungen liegen in solchen Situationen erfahrungsgemäß zwischen 0 m und 100 m. Folglich benötigen diese Soldaten nicht zwingend ein herkömmliches Sturmgewehr, dessen Rohrlänge und Patrone für weit größere Reichweiten konzipiert wurden. Vielmehr handelt es sich bei diesem Nahbereich bis etwa 100 m um das klassische Einsatzfeld der Maschinenpistole. Diese bietet den Vorteil eines geringeren Waffengewichts und kompakterer Abmessungen. Verglichen mit Sturmgewehrka­libern weisen konventionelle (Maschinen-)Pistolen-Kaliber wie die 9 mm Luger den Nachteil deutlich geringerer Präzision auf Kampfentfernungen über 50 m auf. Die wundballistische Wirkung konventioneller (Maschinen-)Pistolen-Munition gegen geschützte Ziele ist im Vergleich zu den zielballistischen Eigenschaften des Kalibers 5,56 mm x 45 (.223 Rem) beschränkt ist. So gibt die 9 mm Luger bei der Durchdringung eines menschlichen Weichziels (ohne Knochenbeteiligung) nur rund 30 Prozent ihrer Energie ab, die Mannstopp-Wirkung ist daher entsprechend unbefriedigend. Dabei ist das Patronengewicht der 5,56 mm x 45 und der 9 mm Luger nahezu identisch. Mit anderen Worten: Das Kaliber 9 mm Luger bietet bei gleichem Gewicht erheblich weniger Leistung. Waffenseitig ergibt sich das Problem, dass kaum eine der herkömmlichen Maschinenpistolen – weder im Einzel- noch im Dauerfeuer – kontrolliert und gezielt einhändig abgefeuert werden kann. Das liegt an der wenig kompakten Bauweise und dem ziemlich hohen Waffengewicht sowie der Anbringung des Pistolengriffs außerhalb des Waffenschwerpunkts in Verbindung mit dem relativ hohen Rückstoß der herkömmlichen Maschinenpistolen­ka-liber. Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Einsatzsituationen, die ein einhändiges Abfeuern der Waffe auf kurze Entfernungen (auch im Dauerfeuer) zwingend erforderlich machen: – kompletter Ausfall eines Armes durch Verwundung – Blockierung eines Armes durch Tragen/Schleppen von Primärwaffen, wie Panzerabwehrwaffen, Scharfschützengewehre oder Ausrüstungsgegenständen – Bergung von verwundeten Kameraden – Abseilen aus Gebäuden und Hubschraubern – Bedienung von Steuerknüppeln oder Bordinstrumenten in Hubschraubern, Land- und Seefahrzeugen, etwa beim Absetzen oder Aufnehmen von infanteristischen Einsatz­kräften und bei dynamischen Angriffs-und Absetzbewegungen. Deshalb waren bei der Entwicklung unter anderen folgende Schwerpunkte gesetzt worden: Waffe: – Einzel- und Dauerfeuereinrichtung – muss als Pistole in ein- und beidhändigem Anschlag im Einzel- und Dauerfeuer kontrolliert abgefeuert werden können; ebenso im konventionellen Anschlag als Maschinenpistole – kleinstmögliche Gesamtabmessungen – geringstmögliches Gesamtgewicht – erhöhte Magazinkapazität gegenüber konventioneller Maschinenpistole – komplett beidseitige Be­dien­barkeit Munition: – Erheblich gesteigerte Durchschlagsleistung gegenüber konventionellen Pistolenkalibern – erheblich gesteigerte Wundwirkung gegenüber konventionellen Pistolenkalibern, insbesondere gegen geschützte Ziele – gesteigerte Präzision und Reichweite gegenüber konventionellen Pistolenkalibern; im Nahbereich vergleichbare Präzision wie 5,56 mm x 45 – reduzierter Rück­stoß gegenüber konventionellen Pistolenkalibern – deutlich reduziertes Patronengewicht gegenüber konventionellen Pistolenkalibern. I Abgestimmtes System Waffen und Munition wurden als System konzipiert, das dem Nutzer sowohl ein realistisches Training als auch die Abdeckung aller denkbaren Einsatzerfordernisse ermöglicht. Dies wird gewährleistet durch ein zweispuriges Waffensystem, bestehend aus kalibergleicher Maschinen- und Selbstladepis­tole mit einer großen Auswahl an Waffenzubehör einerseits und einer umfangreichen Palette von Munitionstypen andererseits. Bei der Entwicklung dieses abgestimmten Systems wurden vor allem die Bedürfnisse folgender Hauptnutzergruppen berücksichtigt: – Militär (Führungs-/Unterstützungspersonal, Infanterie, Fahrzeugbesatzungen) – Polizei – Militärische und polizeiliche Sondereinsatzkräfte – Militärischer und polizeilicher Personenschutz – Hubschrauber- und Jetpi­loten - Skymarshals. Antrieb und Verschluss Bei der Heckler & Koch MP7 A1 handelt es sich um einen verriegelten Gasdrucklader mit Drehkopfwarzenverschluss, wie er von  den Sturmgewehren der G36-Familie, dem amerikanischen M16 und dem britischen SA80 bekannt ist. Der Verschlusskopf ist im Aufbau identisch mit dem des G36. Er verfügt über sechs Verriegelungswarzen; der Ausstoßer ist im Verschlusskopf integriert und erfüllt seine Funktion mittels einer robusten, drillierten Feder. Im Zentrum der Auszieherfeder sitzt ein Gummibolzen, der unkontrollierten Schwingungen des Ausziehers bei Beginn und während des Verschlussrücklaufs entgegenwirkt und somit eine zuverlässige Funktion gewährleistet. Der federgestützte Schlagbolzen wird durch einen schwenkbaren Hebel gegen eine unbeabsichtigte Zündung beim Fall der Waffe gesichert. Der Verschlussaufbau ist im Wesentlichen identisch mit dem des G36; die Teile der beiden Waffentypen sind jedoch nicht austauschbar. Der MP7-A1-Verschluss kann ohne Werkzeug beziehungsweise mittels einer Patrone zerlegt werden. Ein falscher Einbau des Verschlusskopfes ist nicht möglich. Die Schließfeder kann beim feldmäßigen Zerlegen von der Bodenplatte getrennt werden und beim Zusammenbau in beide Richtungen eingesetzt werden. Im Gegensatz zum Antrieb des G36 entschied man sich aus Platzgründen nicht für ein zweiteiliges System, bestehend aus Gaskolben und Antriebsstange, sondern für ein so genanntes Kurzhubkolbensystem, bei dem Kolben und Impulsüberträger aus einem Teil bestehen. Beim Durchlauf des Geschosses durch den Lauf wird ein Teil der Antriebsgase durch die kurz hinter der Mündung befindliche Gasbohrung entnommen und in das An­triebssys­tem geleitet. Dort treiben die Gase den Kurzhubkolben schlagartig nach hinten, der seinen Impuls wiederum auf die Stirnseite des Verschlussträgers überträgt und diesen ebenfalls nach hinten treibt. Durch die Rück­wärtsbewegung des Verschlussträgers läuft nun der Steuerbolzen innerhalb der im Verschlussträger eingefrästen Steuerkurve nach unten und dreht aufgrund der Steckverbindung zwischen Steuerbolzen und Verschlusskopf den Verschlusskopf in einem bestimmten Winkel um die eigene Achse und entriegelt so den Verschluss. Nun bewegen sich Verschlussträger und Verschlusskopf gemeinsam nach hinten, wobei der am Verschlusskopf angebrachte Auszieher die Patronenhülse nach hinten aus dem Patronenlager entfernt. Sobald der Verschlusskopf das Auswurffenster passiert, steuert der in der Stirnseite des Verschlusskopfes angebrachte Auswerfer die Hülse nach rechts und wirft diese durch das Verschlussfenster aus. Der Verschluss läuft weiter in die hinterste Stellung, schlägt auf dem Dämpfer auf und kehrt in eine Vorwärtsbewegung um. Gleichzeitig wird die oberste im Magazin befind-liche Patrone, die bisher vom Verschlussträger heruntergedrückt wurde, freigegeben und von Magazinfeder und Zubringer nach oben gedrückt. Während seiner Vorwärtsbewegung nimmt die Stirnseite des Verschlusskopfes die oberste Patrone aus dem Magazin mit und führt diese in das Patronenlager ein, wobei der Rand der Patrone unter dem Auszieher einrastet. Der Verschlussträger versetzt nun wiederum mittels der Steuerkurve den Steuerbolzen und mit ihm den Verschlusskopf in eine Teildrehung und verriegelt so den Verschluss. Die Waffe ist nun wieder feuerbereit. Gehäuse Das Gehäuse der MP7 A1 besteht aus dem gleichen hochfesten, mit Glasfaser verstärkten Polyamid, aus dem auch das Gehäuse des G36 gefertigt wird. Neben dem Verriegelungsstück, das gleichzeitig der Rohraufnahme dient, sind drei weitere Metallteile in das Gehäuse eingegossen, die dessen Stabilisierung dienen. Der Spritzvorgang dauert nur wenige Minuten. Danach ist das Gehäuse sofort montagefähig. Der Lauf Der kaltgehämmerte Lauf weist eine hohe Lebensdauer auf. Gründe hierfür sind der durch den Hämmervorgang hochverdichtete Qualitätsstahl und die hartverchromte Oberfläche des Laufinnenprofils. Selbst nach Dauerbeschuss mit 15000 Schuss durch den Hersteller waren weder ein Präzisionsverlust noch Materialschäden zu verzeichnen. Zudem weist der Lauf eine gute Trefferleis­tung auf – Kopftreffer sind bis zu einer Entfernung von 100 m möglich. Auf dem Lauf ist ein nach vorne abgeschlossener, geschlitzter Mündungsfeuerdämpfer aufgeschraubt, der über entsprechende Abflachungen verfügt, die dessen Montage/Demontage mittels eines handelsüblichen Maulschlüssels erlaubt. Außerdem ist ein radialer Einstich zur Montage des Schalldämpfers vorhanden. Magazin Im Gegensatz zum Magazin des G36 entschieden sich die Konstrukteure wegen des geringeren Volumens für ein konventionelles zweireihiges Stahlblechmagazin. Es sind Magazine mit einer Kapazität von 20 und 40 Patronen verfügbar. Das 40-Schuss Magazin verfügt über einen Ladestandsanzeiger bei 40 und 30 Patronen. Die Zerlegung erfolgt – wie beim Magazin des Sturmgewehres G3 – durch Eindrücken einer Rastplatte mittels einer Patrone und gleichzeitiger seitlicher Abnahme der Bodenplatte. Visierung Auf dem Gehäuse sitzt eine Picatinny-Schiene (NATO-Standard), welche die Aufnahme verschiedenster Tagoptiken und Nachtzielgeräte erlaubt. Besonders vorteilhaft ist die Möglichkeit, nicht nur ein Nachtzielgerät alternativ zu einem herkömmlichen Zielfernrohr einzusetzen, sondern auch ein solches herkömmliches Zielfernrohr in Verbindung mit einem Nachsichtvorsatz verwenden zu können. Das ist beispielswei- se vom Scharfschützengewehr G22 her bekannt. Diese Option ist bei kompakten Maschinen­pis­tolen wegen der geringen Abmessungen keinesfalls selbstverständlich. Bei der vergleichbaren Waffe aus dem Hause FN Hers­tal/Belgien, dem Modell „P90“, ist bei der Standardversion die Montage eines Nachtsichtgerätes nicht möglich; bei der Sondereinsatzversion der P90 ist lediglich die alternative Montage eines Nachtzielgerätes möglich. Will sich also der Schütze den Montageaufwand und das erneute Anschießen der Nachtzieloptik ersparen, ist er bei der P90 auf die Verwendung einer Nachtsichtbrille angewiesen. Bei der MP7 A1 hat er hingegen die freie Auswahl. Zusätzlich sind zwei mechanische Visierungen verfügbar, welche aus einer seitenverstellbaren Kimme (IDZ) oder Diopter (KSK) und einem höhenverstellbaren Korn bestehen. Die so genannte KSK-Visierung ist klappbar. Im senkrechten Zustand fluchtet es mit den Rotpunktvisieren von Eotech und Aim-point. In waagrechter Stellung fluchtet eine Kimme-Korn-Notvisierung mit dem RSA (Reflex-Sight for Small Arms) der Firma Hensoldt. Die KSK-Variante bietet den Vorteil, dass die Waffe wegen der deutlich erhöhten Visierlinie des hochgeklappten Visiers auch bei Verwendung von Schutzbrillen, Helmvisieren und Atemschutzmasken problemlos eingesetzt werden kann. Das KSK verwendet die MP7 A1 in dieser Konfiguration auch in Verbindung mit einer Nachtsichtbrille. Zubehör Zusätzlich zur Visierschiene können links und rechts am Gehäuse der MP7 A1 weitere Picatinny-Schnittstellen angebracht werden. Diese erlauben die Aufnahme von Lampen, Laserzielgeräten und anderen Zielhilfen. Schalldämpfer Der Schalldämpfer wird ohne Werkzeug direkt auf den Mündungsfeuerdämpfer aufgesetzt und mit einem Handgriff festgezogen. Neben der akustischen Dämpfung dient er dazu, die verbleibende Mündungsflamme zu verbergen. Dieses Leistungsmerkmal ist vor allem im Hinblick auf die Verwendung der MP7 A1 im Rahmen von verdeckten Operationen vorgesehen. Auch für abgeschossene Piloten ist der Schalldämpfer von besonderer Bedeutung. Neben den ballistischen Nachteilen der konventionellen Kaliber gegenüber der 4,6 mm x 30 ist die äußerst begrenzte Einsatzreichweite der Pistole das größte Problem. So kann selbst ein gut trainierter Schütze mit einer Faustfeuerwaffe auf maximal 50 m zuverlässig ein Mannziel bekämpfen. Mit anderen Worten: Der Schütze ist auf rein defensives Wirken beschränkt. Trägt der Gegner eine Schutzweste russischer Bauart, verringert sich die effektive Kampfentfernung sogar auf weit unter 20 m. Sofern eine Weste vergleichbar Schutzklasse I nach deutschem Standard getragen wird, ist eine ernst­hafte Verletzung nahezu ausgeschlossen! Hingegen kann der Schütze mit der MP7 A1 in Verbindung mit einem Schalldämpfer (SD) auf Entfernungen von 200 m ein  Mannziel zuverlässig bekämpfen. Wegen des Schalldämpfers ist auf Entfernungen über 100 m sowohl eine akustische als auch eine optische Ortung des Schützen fast unmöglich – selbst bei Nacht. Im Gegensatz zum Einsatz einer Pis­tole eröffnet die MP7 A1 mit SD dem abgeschossenen Piloten die Möglichkeit, sich vom Feind zu lösen oder sogar Kleingruppen von Verfolgern vollständig zu neutralisieren – die MP7 A1 ermöglicht ihm ein offensives Wirken. Der Schalldämpfer kann nicht nur mit  spezieller Unterschallmunition, sondern auch mit Gefechtspatronen eingesetzt werden; die Waffenfunktion ist mit beiden Patronentypen gewährleistet. Selbst bei Verwendung von Überschallmunition liegt der Geräuschpegel der MP7 A1 mit SD unter dem der MP5k PDW mit Aufsatz-SD und dem der MP5 SD,  obwohl es sich bei letzterer Waffe um eine reine Schalldämpferwaffe handelt. Daher kann die MP7 A1 mit SD selbst in geschlossenen Räumen ohne Gehörschutz abgefeuert werden, ohne dass der Schütze ein Knalltrauma erleidet, er behält seine volle akustische Wahrnehmungsfähigkeit. Die Kommunikation innerhalb der Gruppe oder des Trupps bleibt unbeeinträchtigt. Tragesysteme und Anschlagsarten Um möglichst allen denkbaren Einsatzkonzeptionen gerecht zu werden, sind für die MP7 A1 zahlreiche Trageriemen, Tragegeschirre und Hols­ter verfügbar: – konventioneller Trageriemen mit Schnellauslösemöglichkeit (wie G36) – flexibler Trageriemen mit Ein-Punkt-Aufhängung (kann auch als eine Art überdimensionaler Fangriemen in Kombination mit verschiedenen anderen Systemen verwendet werden) – Schnellziehtragesystem (vor allem vorgesehen für verdeckte Trageweise – Oberschenkelholster. Beim Einsatz  der MP7 A1 werden folgende Anschlagsarten unterschieden: – einhändig mit einge­schobener Schulterstütze, angeklapptem beziehungsweise ausgeklapptem vorderem Haltegriff (als Pistole) – beidhändig mit eingeschobener Schulterstütze und angeklapptem/ausgeklapptem vorderem Haltegriff (als Pistole) – beidhändig mit eingeschobener Schulterstütze und ausgeklapptem vorderem Haltegriff (als Pistole), Variante: Handfläche der vorderen Haltehand nach außen, Auflage der Waffe auf dem Unterarm – beidhändig mit ausgezogener Schulterstütze und ausgeklapptem vorderem Sturmgriff (als Maschinenpistole). Bedienbarkeit Die Handhabung der MP7 A1 ist bewusst konventionell gehalten.  Die Konstrukteure achteten besonders auf die beidseitige Bedienbarkeit. So sind Feuerwahl-, Magazinauslöse-, Verschlussauslöse- und Durchladehebel für Links- und Rechtshänder gleichermaßen gut zu handhaben. Nachdem die Waffe leergeschossen ist und der Verschluss in geöffneter Stellung stehen bleibt, kann der Schütze im Anschlag bleiben und das Auge weiter auf dem Ziel halten. Jetzt kann er das leere Magazin mittels Magazinauslöser nach unten herausfallen lassen, ein neues Magazin einführen. Damit ist er nach Betätigen des Verschlussauslösehebels sofort wieder feuerbereit, ohne aus dem Anschlag gehen zu müssen, um den Durchladehebel zu bedienen.  Dieses Merkmal spart dem Soldaten im Gefecht wertvolle Sekunden, die gerade im Nahkampf über Leben und Tod entscheiden können. Die Patrone 4,6 mm x 30 Bei der 4,6 mm × 30 handelt es sich um eine von den Firmen Heckler & Koch und Royal Ordnance – Radway Green/UK entwickelte Patrone, deren Entwicklung in den früher 1990er-Jahren begonnen wurde. So stand zum einen das Kaliber 4,6 mm × 36 Pate, das Ende der 1960er-Jahre von Heckler & Koch und CETME/Spanien für das Sturmgewehr HK 36 (nicht zu verwechseln mit dem G36) konzipiert worden war. Für die 4,6 mm × 36 war ein so genanntes Löffelspitzgeschoss vorgesehen, das durch seine asymmetrische Spitze in Verbindung mit hoher Geschwindigkeit eine verbesserte wundballistische Wirkung im Vergleich zur 5,56 mm × 45 bewirkte. Die Amerikaner hatten bereits damals im Vietnamkonflikt erhebliche Probleme mit dem Geschosstyp M193 der 5,56-mm-Patrone. Die Entwicklung der 4,6 mm × 36 war damals trotz vielversprechender Ansätze zugunsten des Projektes zur Entwicklung hülsenloser Munition für das G11 eingestellt worden. Auch die hülsenlose Patrone 4,73 mm × 33 des G11 ist als Vorläufer des MP7-A1-Kalibers zu sehen, da die im Rahmen des G11-Projektes gewonnenen (wund)ballistischen Erkenntnisse in diesem Kaliberbereich ebenfalls in die Entwicklung der 4,6 mm × 30 einflossen. Außerdem waren schon mit der damaligen Konzeption der hülsenlosen „NBW“-Patrone 4,73 mm × 25 wesentliche Eckdaten für das spätere PDW-Kaliber festgelegt worden: Mit 4 g war das Patronengewicht fast identisch mit dem der heutigen 4,6 mm × 30 (ohne Hülse). Gleiches gilt für das damals festgelegte Geschossgewicht von 2,75 g und die v0 von 585 m/s; fast identische Werte sind heute für die Vollmantel-Weichkern-Version der 4, 6 mm × 30 vorgesehen. Das Leistungsspektrum der Patrone 4,6 mm × 30 liegt zwischen dem einer konventionellen Maschinenpistolenpatrone und dem eines typischen Sturmgewehrs. Es erlaubt die Bekämpfung eines geschützten Mannzieles bis zu einer Kampf-entfernung von 300 m, letales Unterdrückungsfeuer gegen ungeschützte Ziele bis 450 m. Mit der Munitionssorte Vollmantel-Weichkern erfüllt die Patrone hier noch die NATO-Forderung von 80 J für eine tödliche Verwundung. Klar ist aber: Das  Kaliber 4,6 mm x 30 ist kein Ersatz für die Patrone 5,56 mm × 45 und war auch nie als solcher vorgesehen. Vielmehr wurde auf NATO-Ebene festgelegt, dass das PDW-Kaliber die langfristige Nachfolge der 9 mm Luger antritt. Vor dem Hintergrund, dass NATO-weit hunderte Millionen Schuss im Kaliber 9 mm Luger eingelagert sind, wird die Komplettablösung in der Praxis allerdings noch Jahre, vermutlich sogar Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die Bundeswehr nimmt insofern eine absolute Vorreiterstellung ein. Das Maß aller Dinge: Die NATO-Forderung Gemäß NATO-Vorschrift muss das PDW-Kaliber in der Lage sein, ein geschütztes Ziel bis auf eine Entfernung von 150 m außer Gefecht zu setzen und bis auf 200 m Unterdrückungsfeuer zu leisten. Referenzmedium für den Schutz des Zieles ist eine Schutzweste russischer Bauart, welche in Form des so genannten CRISAT1-Aufbaus NATO-standardisiert wurde; dieser besteht aus einer 1,6 mm starken Titanplatte und 20 Lagen Kevlar. Ballistisch stellt dieser Aufbau für ein Geschoss ein schwierig zu durchdringendes Hindernis dar, da nach dem Durchschlag des hochzähen Titans noch das energievernichtende Kevlar penetriert werden muss, das aufgrund seiner teilelastischen Gewebekonfiguration hervorragende Aufhaltecharakteristika aufweist. Beschießt man einen derartigen Aufbau mit einem PDW-Kaliber mit konventionellem Vollmantelgeschoss, wie es bei Standard-Militärmunition üblich ist, kollabiert ein solches Projektil schon bei relativ geringen Kampfentfernungen an der Titanplatte, der Geschossmantel platzt auf. Meist dringen bei diesen Grenzentfernungen (ab rund 120 m) dann nur noch Fragmente mit geringen Energiemengen durch den Körperschutz. Bei geringeren Kampfentfernungen dringt das Geschoss zwar im Ganzen durch den Aufbau, verliert aber beim Durchschlag sehr viel Energie (etwa 200 J), sodass im Vergleich zum Beschuss eines ungeschützten Weichziels, eine Außergefechtsetzung oder gar letale Wirkung nicht sicher gewährleistet ist. Im Gegensatz zur 5,56 mm × 45 schafft auch die Einbringung eines Stahlkerns oder ein so genanntes Doppelkerngeschoss keine Abhilfe, da der Antrieb wegen des reduzierten Pulverraums der PDW-Patronen in der Relation zum Kaliberdurchmesser zu gering ist. Die Munitionssorten 4,6 mm × 30 „Ultimate Combat“/„Combat Steel“ wurden daher mit einem kupferbeschichteten, gehärteten Vollstahlgeschoss ausgestattet. Dies gewährleistet bei Durchschlag von Hartzielen geringsten Energieverlust bei nahezu vollständiger Erhaltung der Geschossmasse. Diese beiden Faktoren bieten optimale Parameter für einen maximalen Energietransfer nach der Penetration des Körperschutzes. Gleiches gilt für die DM11/AA30. Der Patronentyp „Ultimate Combat“ durchschlägt den NATO-CRISAT-Aufbau bis zu einer Entfernung von 300 m und liefert dabei aus der MP7 A1 ausreichende Präzision, um ein Mannziel zu treffen. Die PFA-Schutzklasse II wird bis zu einer Entfernung von 25 m duchschlagen. Auch wenn große Kampfentfernungen für eine Nahbereichswaffe eine absolute Ausnahme darstellen, so verdeutlichen diese Daten das Leistungspotenzial dieser Munition. Munitionsfamilie mit System Auch dem Munitionskonzept lag ein klarer Systemanspruch zugrunde. Heckler & Koch entwickelte daher mit Radway Green eine ganze Munitionsfamilie im Kaliber 4,6 mm × 30, die die Bereiche Einsatz, Einsatzausbildung und Waffenausbildung für die verschiedensten Nutzergruppen aus Militär und Polizei abdeckt: Ultimate Combat – 2 g: Gefechtspatrone mit bleifreiem, kupferbeschichtetem Vollstahlgeschoss; Durchschlag des NATO-CRISAT-Aufbaus bis 300 m; PFA-SK II bis 25 m. Ballistische Leistungsdaten identisch mit RUAG Ammotech DM11/AA30 (DWJ 8/2004)); ersetzt die Sorte „Combat Steel“. Combat Steel – 1,7 g: Gefechtspatrone mit bleifreiem, kupferbeschichtetem Vollstahlgeschoss; Durchschlag des NATO-CRISAT-Aufbaus bis 200 m; diese Variante wird durch die „Ultimate Combat“ abgelöst. Full Metal Jacket – 2,6/2,7 g: Vollmantel-Weichkern-Geschoss für Gefecht und Training, speziell für den US-Markt. Police – 2 g: Bleifreies Deformationsvollgeschoss für den innerstaatlichen Einsatz; liefert schnelle Energieabgabe bei geringster Umfeldgefährdung; Durchschlag Schutzklasse I. Spoon Nose – 2 g: Kupfervollgeschoss mit asymmetrischer Geschossspitze („Löffelspitz“). Für Nutzer, die eine schnelle Energieabgabe wünschen, denen aber die Verwendung von Deformationsmunition nicht gestattet ist. Subsonic – 5 g: Unterschallpatrone für den Schalldämpfereinsatz; gewährt die volle Waffenfunktion im Einzel- und Dauerfeuer. Durchschlag Schutzklasse I bis 50 m. Tracer – 2 g: Leuchtspurgeschoss; roter Leuchtsatz, sichtbar von 0 – 300 m. Kupfer-Training – 2 g: Kostengünstige Trainings-/Gefechtspatrone mit Kupfervollgeschoss; Durchschlag NATO-CRISAT-Aufbau und Schutzklasse I bis 50 m. Soft Frangible – 2 g: Trainings-/Gefechtspatrone mit bleifreiem Geschoss, das sich beim Auftreffen auf harte Oberflächen zerlegt; das Geschoss erlaubt ein realistisches Training bei voller Schützen- und Umfeldsicherheit. Es ist auch vorgesehen für den Einsatz in sensiblen Bereichen, wie etwa Flugzeugen, Bohrplattformen und Atomkraftwerken. Hard Frangible – 2 g: Trainings-/Gefechtspatrone mit bleifreiem Geschoss, das sich beim Auftreffen auf harte Oberflächen zerlegt; erlaubt ein realistisches Training bei voller Schützen- und Umfeldsicherheit. Wurde im Hinblick auf eventuelle Trainingsunfälle so konzipiert, dass das Geschoss bei Nahschüssen in Weichziele nicht zerstäubt, sondern in wenige Teile zerbricht. Sauberer Wundkanal; Geschossfragmente können gut operativ entfernt werden. Manöver - und Exerzierpatronen gehören mit zur Familie. Heckler & Koch sowie Royal Ordnance sind die beiden Unternehmen, denen das Kaliber 4,6 mm × 30 seine Existenz verdankt. Im modernen „Personal Defence Weapon“-System in Gestalt der MP7 A1 von Heckler & Koch hat das Kaliber seine Karriere in der Bundeswehr vor einigen Jahren begonnen – eine Karriere, die wegen der veränderten Einsatzbedingungen bei militärischen Auseinandersetzungen womöglich noch länger andauert. Denn auf diese Bedingungen ist das Kaliber exakt zugeschnitten.

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